– 17.08.2015

BARCELONA: Sarah Bernhard.

Sarah Bernhards Fotografien haben zwei feste Konstanten: Licht und Schatten. Das Licht zeichnet die Konturen scharf, lässt Farben kraftvoll und intensiv leuchten. Ist es zu intensiv, blendet es die Augen ebenso wie es Umrisse von Menschen, von Gegenständen, von der gesamten Umwelt verschwimmen lässt. Zieht es sich wiederum zurück, ist die Welt nur noch in Bruchstücken zu erkennen. In der tiefen Dunkelheit blitzen auf Sarah Bernhards Fotografien Fragmente hervor, fixiert ein Augenpaar den Betrachter, bekommt das menschliche Antlitz ebenso wie seine Bewegung eine neue melancholische Tiefe. „Intuitiv, natürlich, dokumentarisch“, so beschreibt die Wahl-Hamburgerin ihre Fotografie. Man möchte noch hinzufügen: intensiv.

Sarah Bernhard fotografiert für Print- und Onlinepublikationen wie Freunde von Freunden, Der Greif, Esquire Magazine, Of the Afternoon, Musikexpress oder Me.Style; seinen klarsten Ausdruck findet der feinsinnige Blick der Fotografin jedoch in ihren freien Arbeiten, wie etwa zuletzt in Barcelona, und eben hier entwickelt sie eine unverkennbare visuelle Handschrift.
In einer neuen Ausgabe der Interviewserie Durch die Augen von, die regelmäßig junge Talente vorstellt, gewährt Sarah Bernhard einen Einblick in ihre Fotografie, ihren Kopf und durch ihre Augen.

Durch die Augen von: Sarah Bernhard

 

Wo haben deine Augen das Licht der Welt erblickt?
In Münster, Nordrhein-Westfalen.

Wann hast du angefangen, die Welt auch durch die Kamera wahrzunehmen und einzufangen?
Bewusst angefangen zu fotografieren, habe ich 2001/2002. Ich habe damals ein visuelles Tagebuch im Netz geführt, das ich mit meiner besten Freundin teilte. Wir sammelten dort unsere Erlebnisse in fotografischer Form. Mit der Zeit entdeckte ich dann verschiedene neue Fotocommunities, wie zum Beispiel Flickr. Ich bekam Feedback auf meine Bilder, lernte und fotografierte weiter. Das Web hat mich unheimlich inspiriert und motiviert – und tut dies bis heute.

Wie unterscheidet sich dein Blick auf die Welt ohne und mit Kamera?
Wenig. Es gibt natürlich Situationen, in denen meine Aufmerksamkeit anderweitig fokussiert ist, aber meistens nehme ich meine Umwelt sehr bewusst wahr und bemerke dabei fotografisch interessante Motive. Ich glaube, das ist es, was ich in den letzten Jahren gelernt habe: aufmerksamer und schneller mit der Kamera zu sein, um der ersten Wahrnehmung näher zu sein.

Barcelona durch die Augen von Sarah Bernhard. 

Wie würdest du deine Fotografenperspektive beschreiben?
Intuitiv, natürlich, dokumentarisch. Für Auftragsarbeiten inszeniere ich auch Situationen, aber das ist nicht mein favorisierter Stil. Ich lasse Dinge lieber passieren. Auch wenn es dann länger dauert, bis ein gutes Bild dabei entsteht.

Wie siehst du dich?

Sarah Bernhard_durch die Augen von_Antwort_1

Anywhere but here.

Was siehst du am liebsten?

Sarah Bernhard_durch die Augen von_Antwort_2

Strange plants.

Welches ist dir das liebste Bild, das du bislang aufgenommen hast?

Sarah Bernhard_durch die Augen von_Antwort_3

Es gibt viele Bilder, die mir wichtig sind. Dieses hier ist nach einem Unwetter im Süden von Spanien entstanden. Es gibt diese Mischung von Abenteuer, Wildheit, Bedrohung und Schönheit wieder, die ich gerne öfter in meinen Bildern hätte.

Deine erste Fotografie…
…müsste irgendein verwackeltes Bild aus den achtziger Jahren sein, entstanden in einem Urlaub mit meinen Eltern.

Deine zuletzt aufgenommene Fotografie…

Sarah Bernhard_durch die Augen von_Antwort_4

Ein Foto der neuesten Ausgabe vom Feasthetic Magazine (feasthetic.com), für das Toledo Museum of Art, in das es einige meiner Bilder geschafft haben.

Wo finden wir deine Fotografien heute?
Hauptsächlich online, natürlich in meinem Portfolio, in meinem visuellen Tagebuch oder auch bei Instagram @hyper_real.
In manchen Online-Publikationen, wie zum Beispiel bei Freunde von Freunden, The Ones We Love, aber auch im Print. Hier zuletzt: Der Greif, Esquire Magazine, Of the Afternoon, Musikexpress, Me.Style…

Klickt euch hier durch ausgewählte Bilder aus dem Portfolio von Sarah Bernhard:

 

Über die Serie „Durch die Augen von“: Im Kontext der Fotografie wird der Augenblick zum doppelsinnigen Bezugspunkt. Vermag die Fotografie, im Gegensatz zum Film, immer „nur“ einen Moment, einen Augenblick, einzufangen, so markiert der fotografische Augenblick zugleich auch seine Entstehungsbedingungen. Nicht die eigenen Augen bestimmen die Perspektive, sondern der Betrachter nimmt unweigerlich die Position ein, die das neugierige, zielsichere Augen des Fotografen für ihn (und sich) wählte. Ein Bild wird zum Zeugnis seines Schöpfers, eines Fotografen, der seiner Sicht auf die Umwelt visuell Ausdruck verleiht. Die Serie „Durch die Augen von“ macht sich diese Ambiguität zunutze, um in die Arbeit ausgewählter Kreativer einzuführen.

Alle Folgen von „Durch die Augen von“ sind hier um Überblick zu finden.

Alle Fotos: Sarah Bernhard.

Teresa
Teresa ist freie Autorin für STYLEMAG und berichtet über ihre Highlights aus Kunst, Kultur, Musik, Mode sowie über sozial-gesellschaftliche Fragen.

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