– 31.03.2015

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© A. Hacke.

Danielle de Picciotto hat selbst miterlebt, worüber heute hunderte Dokumentationen entstehen: ein Mauer-Berlin, das als Inselstadt im Schatten der Mauer Zufluchtsort für Musiker, Künstler und Bundeswehrvermeider war, aber ebenso das scheinbar grenzenlose Berlin nach dem Mauerfall. Die mittlerweile international renommierte Malerin, Zeichnerin, Musikerin, Autorin und Filmemacherin hat seit ihrem Umzug nach Berlin im Jahr 1987 jahrzehntelang den Umbruch des Undergrounds in der Stadt von Post-Punk über Techno bis zu dem durchmischten, internationalen Berlin von heute begleitet und war selbst Mitbegründerin der Loveparade an der Seite ihres damaligen Lebensgefährten Matthias Roeingh, besser bekannt als Dr. Motte. Wer meint, mit ihren 50 Jahren hätte die Multimediakünstlerin also bereits alles erlebt und getan, der irrt. Ein Soloalbum fehlte bislang beispielswiese noch, doch auch dies kann Danielle de Picciotto schon bald von der To-Do-Liste streichen, denn im April erscheint unter dem Titel „Tacoma“ ihr allererstes Album im Alleingang.

Als Sängerin spielte Danielle de Picciotti bereits von 1990 bis 1995 in der Berliner Band Space Cowboys, widmete sich in den Folgejahren jedoch verstärkt der Planung, Realisierung und Fortführung von Kunst-Musik-Projekten wie dem „Ocean Club“ oder der „Berliner Clubkunstkultur“-Bewegung, gründete die Galerie „das Institut“, die Eventreihe „Kunst oder König“ und half Berliner Künstlern, Musikern und DJs der Stadt weltweit ein Gesicht zu geben. Theater- und Buchprojekte (zwei Bücher sind mittlerweile erschienen: ihre Berlin-Memoiren „In The Beauty of Transgression“ sowie das Graphic Diary “We Are Gypsies Now – Der Weg ins Ungewisse“) kamen hinzu; die Kunst und die Musik blieben in wandelnder Erscheinung immer.

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Photo by Tina Winkhaus. Artwork by Danielle de Picciotto.

Mit ihrem mittlerweile Ehemann Alexander Hacke, dem Bassisten der Einstürzenden Neubauten, reist Danielle de Picciotti dabei für Musik- sowie Kunstprojekte um die Welt, weil es in Berlin zu wenig Geld für die Künste gibt. Und trotzdem: Danielle de Picciotto ist auch aus der Ferne zu einer wichtigen Stimme eines kreativen, vielseitigen Berlins geworden – jenes Berlins der neunziger Jahre, aber auch der Gegenwart. Nach zahlreichen Bandkonstellationen setzt Danielle de Picciotto diese nun solo an – das Ergebnis ist das Album „Tacoma“, das am 17. April 2015 bei Moabit Musik erscheinen wird und zugleich der Name ihrer Geburtsstadt im US-Bundesstaat Washington ist.

Auch hier leitet Danielle de Picciotto ein deutlich künstlerischer Anspruch, der sich sicherlich nicht in Popmelodien verpacken ließe. Stattdessen fordert Danielle de Picciotto, gleich ihrer Musiker-Kollegin und Performance-Künstlerin Laurie Anderson, die tradierten Grenzen heraus und präsentiert ein künstlerisch ambitioniertes Werk, in dem sich Spoken Word, zarte Gesangspassagen, experimentelle Klänge von ungewöhnlichen Instrumenten wie der Drehleier oder der Autoharp und Violinenharmonien vereinen. Einen Vorgeschmack darauf gibt der gleichnamige Einstiegssong “Tacoma”:

Die Tracklist von „Tacoma“:
01. Tacoma
02. I Have Love
03. Luminous
04. Es Gibt Kein Zurück
05. In Transit
06. Per Aspera Ad Astra
07. Horchata
08. Hot Summerday
09. The Veil

Hier kann die LP ab sofort vorbestellt werden.

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STYLEMAG - hier berichtet die Redaktion.

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