– 18.03.2015

Kevin McElvaney reist nicht durch die Welt, um in distanziert-dokumentarischer Manier seine Reiseziele zu scannen, festzuhalten und anschließend, heimgekehrt in seine Heimat Hamburg, die Aufnahmen aus Ghana, Indonesien oder Südafrika seinen Mitmenschen zu präsentieren. Vielmehr findet der Fotograf das Individuum und seine persönliche Geschichte inmitten eines durch Schwefel vernebelten Vulkans, auf einer Elektromülldeponie, in den Bergen und auf den Straßen eines Townships oder Antwerpens. Das Porträt ist McElvaney seine künstlerische Erzähltechnik wie sie dem Schriftsteller das geschriebene Wort ist.

„Für mich kann ein Bild viel schneller eine Geschichte erzählen als ein Text und es bleibt zudem länger im Kopf“, beschrieb er erst kürzlich im Interview mit Stylemag und ergänzte an anderer Stelle: „Am Ende muss das Bild schön und ehrlich sein; auch der Akteur soll sich wiederfinden können.“ „Ehrlich“, das heißt auch, seine Porträtierten nicht um jeden Preis in der Not ihres Kontextes darzustellen, sondern als mehrschichtige Persönlichkeiten, die mit Kevin McElvaney beispielsweise zu jungenhaftem Spaß aufgelegt sind. Eben davon erzählt die dritte und vorletzte Fotografie, deren Geschichte Kevin McElvaney im Rahmen der Serie Fotografie und Wirklichkeit vorstellt:

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Bild 03: PENIS, Kawah Ijen, Indonesia, 2014.

„Viele Leute denken, dass es an den Orten, die ich fotografiere, ganz furchtbar ist, doch meist ist das nicht der Fall. Jeder Mensch trägt Humor in sich und bisher habe ich das auch an jedem Ort mindestens einmal erfahren. Zum Beispiel hier. Leider hat das Bild nicht in den Erzählfluss meiner Ijen-Story gepasst, doch genau dieses Foto zeigt die Wirklichkeit in diesem ausschließlich männlichen Arbeitsumfeld: „boys will be boys“. Habe ich auch hier gesagt.“

Über Kevin McElvaney: Kevin McElvaney wurde 1987 in Norddeutschland geboren und ist ein Autodidakt in der Fotografie, der sich der fotografischen Dokumentation mit einem Fokus auf Porträtbilder verschrieben hat. Dafür reiste McElvaney bisher unter anderem in die Townships von Kapstadt, nach Antwerpen, in das Westjordanland, auf die Elektromülldeponie Agbogbloshie in Ghana sowie in eine Schwefelmine in dem indonesischen Vulkan Kawah Ijen. Aktuell entsteht eine neue Serie in Israel. Kevin McElvaney lebt und arbeitet (wenn er nicht gerade auf Reisen ist) in Hamburg. Stylemag hat den Fotografen und sein Werk im Interview ausführlich vorgestellt, das an dieser Stelle nachgelesen werden kann.
Folgt Kevin McElvaney auf seiner Website, Facebook und Instagram.

Über die Serie “Fotografie und Wirklichkeit”: Kann Fotografie die Wirklichkeit darstellen? Ausgehend von dieser Frage, die das Medium seit seiner Entstehung begleitet, bittet Stylemag in der Reihe „Fotografie und Wirklichkeit“ jeden Monat einen neuen Fotografen um ein visuelles Statement. Vier Wochen, vier Bilder, ein Thema. In der Vergangenheit haben Joans Lindström und Markus Pritzi zu der Serie beigetragen – alle Fotografien im Überblick findet ihr hier.

stylemag
STYLEMAG - hier berichtet die Redaktion.

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