– 13.05.2014

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Wer seine familiären Wurzeln in einem anderen Land hat als in jenem, in dem er lebt oder aufgewachsen ist, der genießt oft nicht nur die Gabe von meiner als einer Muttersprache, sondern auch die, in mehreren Kulturen zu Hause zu sein. Längst nicht jeder hat diesen Umstand jedoch freiwillig gewählt und der Umzug in ein neues Land bedeutet nicht immer nur Freude, sondern kann auch Problematiken wie die Ambivalenz zwischen der Herkunft der Menschen und ihrer neuen Situation fern des Ortes, an dem sie geboren wurden, sowie ihre Schwierigkeiten, zu akzeptieren und akzeptiert zu werden, mit sich bringen. „Where’s Home?“, fragt man sich da und so schwer diese Antwort auszuformulieren ist, in ihre Kunstform hat Jaybo diesen heimatlosen Seins-Zustand umso treffender transformiert. Denn für den Wiesbadener Kunstsommer 2014 hat der Berliner Künstler eine Reihe von Plastiken geschaffen, die als „The Wolves“-Serie rastlos durch die Stadt streifen, um in dem Kunsthaus Wiesbaden zuletzt vielleicht doch zur ersehnten Ruhe zu kommen?!

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Als Repräsentant der Partnerstadt Berlin-Friedrichshain-Kreuzberg während des Kunstsommers Wiesbadens wagt sich Jaybo damit an ein Thema, das ihm selbst in gewisser Weise vertraut ist: In Südfrankreich geboren, hat der Street und Fine Urban Artist seit 1985 seine neue Heimat in Deutschland, genauer gesagt in Berlin, gefunden. Während hier der freie Wille in die damalige Mauerstadt verschlug, stehen die Wölfe für das rastlose Suchen nach Integration, das Sinnen nach Vergangenheit und Zukunft, Heimat und kulturellem Erbe. Jaybos Wölfe, die ihr Haus mit sich tragen, machen diese Situation unmittelbar spürbar, denn sie stehen für das Schicksal vieler Immigranten, wie Jaybo erklärt:

In unserer Gesellschaft wächst die Spannung zwischen Luxus und Armut. Menschen sind deshalb gezwungen, umzusiedeln, um Familien oder sogar sich selbst zu versorgen. […] Jeder dieser Immigranten bringt sein kulturelles Erbe mit sich, seine Vergangenheit. In einem neuen Land kann dies zur Last werden und dessen Integration erschweren.

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Dabei starten seine Wölfe in Wiesbaden an einem Ort, der von dieser Situation aus erster Erfahrung zu erzählen weiß, denn bevor die Wölfe im Stadtraum gemeinsam zum Rudel werden, startet der erste in der Schwalbacher Straße, in deren Umkreis 100 verschiedene Nationen leben. In visueller Analogie dazu, tragen die Wölfe, aus edler Eiche gefertigt, ihre Häuser mit sich – Häuser aus Multiplex, die zunächst nur ein improvisiertes Zuhause sein können, die in ihrer Einfachheit zeigen, dass die Suche nach Integration, nach Wohlstand und einem besseren Lebensstandard hier noch nicht zu Ende sein kann. In symbolischen Formen, die Material und Andeutungen für sich sprechen und über sich selbst hinaus verweisen lassen, gelingt es Jaybo damit, einen menschlichen Zustand des Zwischen-den-Welten-Stehens, des Suchens und Strebens, aber auch der Last und des Druckes ausdrucksstark zu visualisieren. Ihnen auf den Fersen, werden alle Besucher, vor allem aber die Bewohner rund um die Schwalbacher Straße eingeladen, mit ihnen in den Dialog zu treten und ihnen zu folgen, um sich zuletzt „in der Ruhe der Kunsthalle“ wiederzufinden, in der „der Immigrant endlich seine Last abgeben kann“, wie Jaybo erklärt, denn „Integration ist ein Dialog, kein Diktat.“

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Am kommenden Samstag, den 17. Mai 2014, wird Jaybo zudem von 12 bis 15 Uhr für eine Drawing Session im Kunsthaus am Schulberg 10 anwesend sein.

Wiesbadener Kunstsommer 2014: „9 Künstler – 9 Kunstwerke – 9 Städte – 9 Länder“, seit dem 10. Mai 2014, Wiesbaden. Genauere Infos gibt es hier. 

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Alle Bilder: Jaybo Monk.

Teresa
Teresa ist freie Autorin für STYLEMAG und berichtet über ihre Highlights aus Kunst, Kultur, Musik, Mode sowie über sozial-gesellschaftliche Fragen.

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