– 31.10.2013

the bread exchange

I bake bread. If you want it, I trade it with you for almost anything, just not money” – in einer Welt wie der unseren, einer Gesellschaft, die zwar von klugen Gedanken, aber ebenso starkem Konsum- ebenso wie Profitstreben geprägt ist, sticht Malin Elmlid mit ihren Worten heraus. Doch so exzeptionell der Ansatz ihres “Bread Exchange“, bei dem sie ihr selbst gebackenes Brot gegen “alles, was sie inspirieren oder sie etwas lehren könnte”, gegen jene Dinge, die anderen besser beherrschen als sie sie selbst, eintauscht, wirkt, so viele Anhänger hat sie bereits gefunden. Denn der kritische Blick auf ewigen Profit hat nicht nur sie zu ihrem ungewöhnlichen Tausch-Projekt bewogen, sondern wer mit wachen Augen auf der Suche nach Gutem, nach wohltätigen Projekten und dem Willen zu helfen, zurückzugeben, um sich blickt, der wird auf einmal überraschend fündig. Unlängst scheinen immer mehr Menschen verstanden zu haben, dass nicht materieller Besitz, Erfolg oder Ruhm allein glücklich macht, sondern dass der Mensch mehr braucht – Empathie etwa, ein Miteinander in gegenseitigem Wohlfühlen und kein schulterstoßendes Nebeneinander zu leben, kreative Ideen, die den starren Geradeaus-Blick stören, irritieren, umherblicken lassen.

Aus der Suche nach jenen Menschen, die Gutes tun sowie einer wohlfühlenden und nicht nur funktionierenden Gesellschaft ihren Beitrag leisten wollen, ist die neue stylemag-Kategorie GOOD THINGS entstanden. Hier sollen in unregelmäßigen Abständen ebenjene Projekte vorgestellt werden, die sich eben nicht nur egozentrisch ihren Weg durch das Leben bahnen, sondern auf ihre Weise zurückgeben – seien es Charity-Projekte, Organisationen, Events, Projekte, Labels, sei es einmalig oder langfristig, seien es die Bereiche Mode, Kultur, Politik, Soziales, in allen Bereichen kann das Interesse an seiner Umwelt bekundet werden. So etwa auch in zwei Elementen, die das Leben unser Vorfahren einst bestimmten: Nahrungsmittel, in diesem Fallen das Brot, und das Prinzip des Tauschens.

Etabliert ist der Kauf und Verkauf durch Geld unlängst. Doch umso schöner ist der Tausch, den Malin Elmlid von “The Bread Exchange” (von ihren Anfängen hatten wir hier vor drei Jahren bereits berichtet) anstrebt – und damit gleichermaßen zum Nachdenken herausfordert: Was kann man selbst besonders gut? Was könnte sie inspirieren? Wo liegt unser Talent, das es zu teilen gilt? Geistiger (Aus-)Tausch statt materiellem Profit.

RECIPE TESTERS OF THE WORLD

So lange die Antwort darauf noch nicht gefunden ist, können sich erfahrene Köche und solche, die es gerne werden wollen, aktuell auf andere Weise diesem Ansatz dem Projekt der Berlinerin annähern, denn wie schon Anfang des Jahres ist Malin wieder für ihr kommendes Buch auf der Suche nach Rezepte-Testern:

Recipe Testers of the World,

I am on a last round of recipe edits. Still a bit nervous and would be super thankful for anyone who likes to test a recipe to make sure the descriptions work outside my kitchen.

Wer der Schwedin also nicht nur weiterhelfen und Teil dieses internationalen Koch-Austausches, sondern auch zu den ersten gehören möchte, der in den Praxis-Genuss ihrer ausgewählten Rezepte kommen will, der sollte sich per Mail an sie wenden: contact@thebreadexchange.com. Alle Infos dazu findet ihr hier.

BREADEXCHANGE1

THE BREAD EXCHANGE – EVERYTHING IS NOT FOR SALE

Brot bleibt dennoch das zentrale Thema im Hause Elmlid, denn gerade in ihm visualisiert sich eine Mentalitätswandel unserer Zeit: Selbst in Deutschland, einem Land, das nicht zu Unrecht im Ausland für sein Brot bekannt und allzu oft belächelter Aufhänger für kulinarische Beschwerden von Deutschen im Ausland ist, ist Brot nicht mehr das, was es qualitativ einst war. Aus dieser Feststellung und der Abneigung gegen Hefe heraus ist auch The Bread Exchange entstanden, wie Malin Elmlid schreibt:

The bread production of today is a sad story, even in a country like Germany. The only reason why I would bake with yeast is if the flour I am using is cheap and bad quality, or if I just don’t have the time. And as we know, time is money. It is all about money, really.

Anyhow. After cutting out bread of my diet I soon realized that life is not as sweet without good bread. So I started experimenting hard core with sourdough.

Auf die Suche nach dem perfekten Sauerteig folgten zunehmend mehr Brote, darauf immer mehr Test-Esser und mit ihnen kamen die ersten Geschenke, auf natürliche Weise, als Dankeschön. So entstand, die Idee, im weiteren Rahmen zu tauschen. Gegen ihr selbstgebackenes hefefreies, weißes Sauerteig-Brot tauscht Malin Elmlid – “things that they can do better then I can. It can be anything, really. It does not have to be food related.” Mehr zur Entstehungsgeschichte und dem Brot könnt ihr direkt bei The Bread Exchange nachlesen.

Hier schließt sich der Kreis: Nehmen und Geben wechseln sich ab, um gemeinsam einen Austausch zu kreieren und dabei das zu geben, von dem man persönlich meint, es besonders gut zu können, gewissermaßen also “sein Bestes” zu geben, zugleich von Fremden anzunehmen und dabei eine persönliche Verbindung zu erzeugen, wie sie in der Anonymität der Großstadt in diesem Maß nur selten entsteht. Teilen wird menschlich, vor allem aber auch sinnlich erlebbar. Teilen schmeckt nach weißen Sauerteig. Nicht nach Hefe. Dafür aber nach Kräutern, groben Walnüssen und vielen anderen geschmacklichen Abwechslungen.

Bild 1: Shantanu Starick. Bild 2: Malin Elmlid.

stylemag
STYLEMAG - hier berichtet die Redaktion.

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