– 03.05.2012

Am vergangenen Wochenende war es wieder soweit: In Berlin war die Kunst allgegenwärtig, denn nahezu zeitgleich zum Beginn der Berlin Biennale fand zum nunmehr achten Mal das Gallery Weekend statt. 51 Galerien, unter denen sich in diesem Jahr einige Neuzugänge befanden, öffneten so vom 27. bis 29. April ihre Tore für internationale Künstler, Kuratoren sowie Kunstfreunde und fuhren mit Sonderprogrammen auf. Während am Freitagabend zahlreiche Galerien zur Vernissage luden, bot das Wochenende die Möglichkeit, aus den unzähligen Ausstellungen und Events, die alle zu besuchen schier unmöglich war, ausgewählten Schauen einen erneuten Besuch abzustatten – drei Highlights, die dabei besonders beeindrucken oder begeistern konnten, sind hier nochmals zusammengefasst.

Bereits am Freitagabend lud PARTY ARTY zur Vernissage und Geburtstagsfeier in den Kunstraum Kreuzberg im Bethanien, um dort die letzten neun Jahre der kunstaffinen Partyreihe Revue passieren zu lassen. Ob Autodidakten oder ausgebildete Künstler, ob Hip Hop oder Electro, Veranstalter Jan Kage aka Yaneq hat in dieser Zeit knapp hundert zeitgenössische Künstler, ebenso viele DJs und Bands sowie knapp fünfzig Poeten gewinnen können, von denen über sechzig ihre Werke in der Ausstellung “ReKOLLEKT: A Retrospective of Perspectives from Selected Eclected: Kunst im Leben – Leben in Kunst” zeigen. Unter ihnen finden sich unter anderem Collagen von Emess, Installationen von 44Flavours, Anton Unai sowie Klub7 und auch Arbeiten von Nomad, Christian Awe und Various&Gould tragen zu der Werkschau bei, die zugleich ein Rückblick auf das wandelnde Gesicht Berlins ist, in dem sich all diese Disziplinen immer wieder neu zusammenfinden.

Ebenfalls in Kreuzberg lud die Galerie carlier / gebauer mit Fotografien von Paul Graham in ihre Räumlichkeiten. Präsentiert wird hier seine neueste Serie „The Present“, in der der britische Fotograf seine jahrzehntelange Arbeit an den Grenzen von Dokumentar-, Porträt- und Landschaftsfotografie fortsetzt. Auf der Suche nach scheinbar zufälligen Momentaufnahmen beweist Graham den Blick für die eindringlich-ehrlichen Details im Leben, die er in seiner prägnanten Bildsprache im städtischen Raum einfängt.

Geschenk und Gegenwart zugleich, erkundet „The Present“ auf diese Weise New York und seine Bewohner, um in zwanzig eindringlichen Fotografien, zumeist Diptychen, Alltagsmomente einzufangen, Episoden zu erzählen oder die Schnelllebigkeit der Großstadt vor Augen zu führen, wenn von einem Auslöser zum nächsten, von einem Bild zum darauffolgenden die Menschen vor ihren Hintergründen ausgewechselt und vergessen werden.

Dem Menschen nähert sich Andreas Mühe in der Galerie Dittrich & Schlechtriem seit dem Wochenende von vollkommen anderer Seite an. Fünf kleinformatige Fotografien und ein Großformat aus der aktuellen Serie „Obersalzberg“ des Berliner Fotografen erkunden das Verhältnis von Kunst und Macht, von Repräsentation und Manipulation, Propaganda und Heimatästhetik. Scheinen die Landschaften in seinen Aufnahmen noch idyllisch und ursprünglich, schüren die uniformierten Protagonisten in seinen Fotografien bereits Zweifel an der Unschuld dieser Orte – und werden von dem Titel bestätigt, assoziiert der Obersalzberg mit seinem Namen doch unweigerlich den Nationalsozialismus, zu welcher Zeit der Ort bekanntermaßen Hitler als Feriendomizil und zweiter Regierungssitz diente. Nie erwecken die Fotografien dabei jedoch den Eindruck, Originalaufnahmen, zu sehr gibt sich die Kostümierung als solche zu erkennen. Vielmehr richten sie sich an aktuelle Bilder der Vergangenheit und mediale Darstellungskonventionen.

Variiert wird die Auseinadersetzung mit jener Zeit von einer Tapete, die Spielfiguren aus den dreißiger und vierziger Jahren vergrößert an die Galeriewände bannt und zeigt, was diese einstigen Spielzeuge eigentlich sind: kriegerisch statt spielerisch, kampfeslustige Soldaten statt kindlicher Figuren.

“ReKOLLEKT: A Retrospective of Perspectives from Selected Eclected: Kunst im Leben – Leben in Kunst”, 27. April bis 17. Juni 2012, Kunstraum Kreuzberg im Bethanien.

www.kunstraumkreuzberg.de

Paul Graham: „The Present”, 28. April bis 28. Mai 2012, carlier / gebauer. www.carliergebauer.com

Andreas Mühe: „Obersalzberg“, 27. April bis 23. Juni 2012, Dittrich & Schlechtriem.

www.dittrich-schlechtriem.com

www.gallery-weekend-berlin.de


Text: Teresa Köster

Bilder: Jens Ludewig und Teresa Köster.

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STYLEMAG - hier berichtet die Redaktion.

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