– 16.04.2012

Das Leben in Amerika in leuchtenden Farben scheinbar ungestellt und spontan eingefangen – jedes Motiv scheint dem amerikanischen Künstler William Eggleston abbildungswürdig. Als Wegbereiter der künstlerischen Farbfotografie, die er mit seinen Alltagsbildern in den siebziger Jahren revolutionierte, wurde Eggleston berühmt und prägte zahlreiche Filmemacher und Fotografen mit seiner Ästhetik. Was einem nur ungleich kleineren Publikum hingegen bekannt ist, sind die Filme des wortkargen Künstlers aus Memphis. Einen von diesen, „Stranded in Canton“, zeigt das Bureau Mueller noch bis zum 18. April in Berlin.

„Stranded in Canton“ zeigt sich wie eine Addition seiner Fotografien: Wie bewegte Schnappschüsse reihen sich in dem Schwarz-Weiß-Film von 1974 eine Vielzahl von kurzen Einzel- und Gruppenporträts aneinander. Mit einer der ersten Sony Porta-Paks in der Tasche, machte sich William Eggleston in den Jahren 1973/74 auf, um mithilfe seiner tragbaren Kamera nicht nur ein bis dato unbekanntes Verfahren zu erproben, sondern auf seiner über zweijährigen Reise durch Memphis, Tennessee, New Orleans, Louisiana und Greenwood, Mississippi auf 75 Tapes insgesamt mehr als 30 Stunden Rohmaterial einzufangen.

Daraus ausgewählt und aufbereitet, stellt „Stranded in Canton“ ein 90-minütiges Exzerpt jener Aufnahmen dar, die in Episoden unterschiedliche Altersklassen, Umgebungen und Kontexte porträtieren. So wechseln die Perspektiven von improvisierten Jazz-Konzerten in einem Schlafzimmer, selbstdarstellerischen Auftritten in Bars sowie andere Szenen aus dem Alltag und Nachtleben zu intimeren Aufnahmen, wie beispielsweise Familienfeiern oder Zusammenkünfte von Freunden.

Ungeachtet, in welch persönlichem oder öffentlichem Kontext Eggleston sich bewegte, immer wieder wechselt die Kamera in laienhafter Manier zwischen den unterschiedlichen beteiligten Charakteren oder fokussiert sonst unbeachtete Details seiner Umgebung: „It all just unfolded in front of me and the camera just rolled all the time.“ Seine ebenso wenig inszenierten Fotografien scheinen auf diese Weise zu einem bewegten Leben erwacht, ist der künstlerischen Blick doch derselbe.

Die Ausstellung im Bureau Mueller ist eine seltene Gelegenheit, William Egglestons Film, der von Robert Gordon unter der Aufsicht und Mitarbeit von dem Künstler erarbeitet wurde, über einen längeren Zeitraum hinweg zu sehen. Erst 2001 digitalisiert, war „Stranded in Canton“ über 30 Jahre lang ausschließlich privat zu sehen.

William Eggleston: „Stranded in Canton“ (1974), 07. April bis 18. August 2012, Bureau Mueller, Alte Schönhauserstr. 35, Berlin.

www.bureaumueller.com

www.egglestontrust.com


Text & Bilder: Teresa Köster

stylemag
STYLEMAG - hier berichtet die Redaktion.

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