– 07.04.2012

Auch acht Jahre nach seinem Tod gehört Helmut Newton noch zu den bekanntesten und beliebtesten Fotografen unserer Zeit, dessen Akt- und Porträtfotografien sich in unser soziales Gedächtnis gebrannt zu haben scheinen. Als „Hausfotograf“ der australischen Vogue und später ebenso der französischen, italienischen, amerikanischen sowie deutschen Ausgaben hatte sich der Fotograf schon zu Lebzeiten einen festen Platz im Olymp der Modefotografen gesichert. Mit einer ersten umfassenden Retrospektive in Frankreich ehrt das Grand Palais in Paris nun das Werk von Helmut Newton. Unter dem Titel „Helmut Newton“ werden hier seit dem 24. März rund 200 Fotografien aus der Helmut-Newton-Stiftung in Berlin gezeigt.

Bereits seit den siebziger Jahren zählte der 1920 in Berlin geborene Helmut Newton zu den begehrtesten und teuersten internationalen Mode-, Porträt-, Akt- und Werbefotografen. Die etwa 200 Fotografien, die in der Retrospektive gezeigt werden und größtenteils Original- oder Vintage-Drucke sind, kombinieren Polaroids mit kleineren Arbeitsabzügen und monumentalen Arbeiten, die einen Überblick über die dominierenden Aspekte – von Mode über Porträts, Akte, Sex und Komik – des Fotografen geben. In ihrem Zusammenspiel sollen sie vor allem eines beweisen: Dass Helmut Newton weit mehr war als „nur“ ein Modefotograf.

Helmut Newton: Autoportrait avec June et modèles, Paris, 1981. © Helmut Newton Estate.

Mag der erste Schein auch in andere Richtungen deuten und seine zumeist weiblichen Modelle in den Aufnahmen für die internationalen Vogue-Ausgaben und andere Magazine in rollentypischen Erscheinungen abbilden, genügt bereits ein zweiter Blick, um seinen Fotografien weitere Aspekte zuzugestehen. Hinter der scheinbar nur schönen Optik verbergen sich so stets tiefer gehende Diskurse: Newton selbst legt seine Position offen und bricht damit ein eigentlich erotisches Motiv, wenn er sich als Fotograf sowie seine anwesende Ehefrau June Newton in „Autoportrait avec June et modèles, Paris“ in die Abbildung einbindet. Gleichzeitig thematisiert er nicht nur die Inszenierung der Situation selbst, sondern knüpft auch an die in der Kunstgeschichte verwurzelte Rolle des Betrachters als Voyeur an.


Helmut Newton: Stern, Los Angeles, 1980. © Helmut Newton Estate.

Andere Aufnahmen wiederum fokussieren das Zusammenspiel von Mode, Luxus, Geld und Macht. Vertraut und dennoch aus kritischer Distanz, die Attribute dieser Welt und ihre Trägerinnen zugleich voller Schönheit zeigend, reduziert Newton diese nie aber darauf. Vielmehr sind es vor allem Macht und Selbstbewusstsein, die seine Modelle stets verkörpern. Ob vollkommen entblößt oder in elegantem Kleid, nie erscheinen Helmut Newtons weibliche Modelle wie wehrlose, schwache Wesen. Stattdessen sind sie Verführerinnen, starke, dominante Frauen, die selbstsicher mit ihren Körpern sowie Kleidern umgehen. So scharen sie etwa ganze Männergruppen um sich herum („Stern, Los Angeles“) oder ersetzten den klassisch männlichen Voyeur durch die Selbst-Betrachtung im Spiegel („Bergstrom, au-dessus de Paris“).


Helmut Newton: Bergstrom, au-dessus de Paris, Paris, 1976. © Helmut Newton Estate.

Was Helmut Newton in seinen Arbeiten kreiert hat, ist das zeitgenössische Bild einer jungen, selbstbewussten Frau – eine Vorstellung, die seine Motive immer wieder in der Nähe eines Yves Saint Laurent positionieren. Weiblich beeinflusst ist die Ausstellung „Helmut Newton“ zudem in anderer Hinsicht: In enger Zusammenarbeit mit June Newton entstanden, werden die Fotografien von dem Film „Helmut by June“ ergänzt, in dem sie mit den Besuchern ihre ganz eigene Perspektive auf den Mann teilt, der der Welt sonst vor allem für seinen Blick auf weibliche Körper bekannt ist – und nicht andersherum.


Helmut Newton: British Vogue, Londres, 1967. © Helmut Newton Estate.


Helmut Newton, 24. März bis 17. Juni 2012, Grand Palais, Paris.

www.grandpalais.fr

Helmut Newton: Yves Saint Laurent, Vogue France, Rue Aubriot, Paris 1975. @ Helmut Newton Estate.



Erstes Bild > Helmut Newton: Yves Saint Laurent, Vogue France, Rue Aubriot, Paris 1975. @ Helmut Newton Estate.

Text > Teresa Köster





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