– 15.03.2012

Glamour und Stars, Meer, Sonne und Surfbretter – wer an Kalifornien denkt, der assoziiert in erster Linie eine Reihe hedonistischer Klischees mit dem bevölkerungsreichen Bundesstaat. Dass der „Golden State“ und insbesondere Los Angeles jedoch auch einen kulturellen Reichtum beherbergen, der bisher viel zu wenig Aufmerksamkeit erfahren hat, das beweist vom 15. März an die umfassende Gruppenausstellung „Pacific Standard Times“ im Berliner Martin-Gropius-Bau. Neben 70 Werken von über 50 Künstlern wird sie ebenfalls einen ausführlichen Einblick in das Archiv des in Los Angeles ansässigen Getty Research Institute geben, das seit nunmehr zehn Jahren die dortige künstlerische Landschaft sichtet und erfasst.

Nach über sechzig lokalen Ausstellungen ist die Berliner Schau die einzige ihrer Art in Europa. Ist New York bereits seit langem für seine agile Kunstszene bekannt, erhielt Los Angeles’ ebenso vielfältiges Pendant bisher ungleich weniger weltweite Aufmerksamkeit – obwohl es einzelne Künstler zu internationaler Berühmtheit gebracht haben und Los Angeles eigene Kunstmessen beherbergt.

Dies alles findet in der Ausstellung zusammen, wird jedoch ergänzt und so sind neben international bereits viel beachteten Künstlern wie John Baldessari, David Hockney, Edward Kienholz oder Ed Ruscha auch weniger bekannte Namen in das Konzept integriert, die immer wieder auch mit den bekannten Gemeinplätzen der Region arbeiten. So führt das Swimmingpool-Gemälde „A Bigger Splash“ des Briten David Hockney in die Ausstellung ein, das als Schlüsselbild der Ausstellung für das hedonistische Leben unter der Sonne steht. Noch in demselben Raum wird Hockney von anderen berühmten Namen und nicht weniger stereotypen Amerikabildern abgelöst: Ed Ruschas Tankstellen füllen etwa Großformate aus Leinwand aus.

Andere Arbeiten ergänzen das noch oberflächliche Bild der jungen Metropole, um Gegenwelten aufzutun: Künstler wie George Herms, Wallace Berman oder Ed Bereal zeigen Los Angeles als multiethnische Stadt, als Austragungsort für Rassenunruhen, der Feminismus-Bewegung und Anti-Vietnamkriegs-Demonstrationen. Ebenso mannigfaltig wie die Stadt zeigen sich auch die Medien, die Eingang in „Pacific Standard Time“ gefunden haben. Während Gemälde diesen Ausstellungsteil durchweg dominieren, unterscheiden sie sich nicht nur stilistisch sowie motivisch, sondern werden immer wieder auch von Keramiken, Collagen, Assemblagen als auch Skulpturen durchsetzt.

Ein zweiter Part der Ausstellung vertieft den Einblick anhand von Julius Shulmans Schwarz-Weiß-Fotografien von Architekturikonen der Moderne sowie 200 Objekten. Fotografien, Künstlerkataloge, Bücher, Poster, Briefe und ähnliches geben Aufschluss über die Interaktion von Kunst und öffentlichem Leben in Südkalifornien von den späten fünfziger bis in die achtziger Jahren.

Was die Ausstellung in der Gesamtheit „atmen“ soll, nämlich „Kraft, Weite und Sonne“, so Thomas Oberender (Intendant der Berliner Festspiele), das findet seinen Höhepunkt in Sam Francis’ 8 x 12 Meter großem Gemälde „Berlin Red“. Das „Leben im Licht“ – was auf der Pressekonferenz versprochen wurde, bestätigt sich in den einzelnen Bildern, deren genaue Ausformungen sich jedoch als weit abwechslungsreicher als die gängigen Klischees auftun.

“Pacific Standard Time. Kunst in Los Angeles 1950-1980.”, 15. März bis 10. Juni 2012, Martin-Gropius-Bau, Berlin.

www.pacificstandardtime.org

www.getty.edu

www.berlinerfestspiele.de/gropiusbau

Text und Bilder: Teresa Köster

stylemag
STYLEMAG - hier berichtet die Redaktion.

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