– 01.02.2012

Das menschliche Gesicht – als Spiegel der Seele gilt es, macht Menschen unverkennbar, ist auf viele Weisen Kommunikator, wird mit Masken verdeckt. Seit jeher zieht es die Kunst in seinen Bann, liegt hier doch eine der größten Faszinationen, aber auch Herausforderungen, wenn es darum geht, einen Charakter unverkennbar nachzuzeichnen. Einem unter ihnen, der erst im Juli letzten Jahres verstorben ist und in England zuweilen als einer der bedeutendsten Porträtmaler des 20. Jahrhunderts gilt, wird ab Anfang Februar eine umfassende Ausstellung in der Londoner Portrait Gallery zuteil, die sich ganz dessen Beschäftigung mit dem Menschen verschrieben hat: Mit über hundert Gemälden, Zeichnungen sowie Radierungen, die aus der ganzen Welt zusammengetragen wurden, wird sie Lucian Freud eine umfassende Retrospektive widmen.


Girl in a Dark Jacket, 1947. Private Collection © The Lucian Freud Archive. Photo: Courtesy Lucian Freud Archive

Noch zu Lebzeiten in enger Zusammenarbeit mit Lucian Freud konzipiert, zeigt die National Portrait Gallery mit „Lucian Freud Portraits“ nun als erste Kunstinstitution einen solch ambitionierten Überblick über ebendiese Bemühungen des Realisten mit dem Hang zu verzerrten Details, die sich in seinem Schaffen sowohl auf Leinwand als auch auf Papier auf vielfältige Weise manifestiert haben.


Leigh Bowery (Seated), 1990. Private Collection © The Lucian Freud Archive. Photo: Courtesy Lucian Freud Archive.

Über sieben Schaffensdekaden hinweg werden so die künstlerischen Entwicklungen, Freuds stilistischen Aus- und Weiterbildungen innerhalb dieses Themas nachvollzogen sowie seine technische Kunstfertigkeit visualisiert. Zu sehen sein, werden dabei ebenso berühmte wie nahezu unbekannte, persönliche Porträts aus den Jahren seit 1940.


Reflection (Self-portrait), 1985. Private Collection, Ireland © The Lucian Freud Archive. Photo: Courtesy Lucian Freud Archive.

Seine Mutter Lucie, Künstler wie Frank Auerbach, Francis Bacon, Michael Andrews, John Minton sowie David Hockney, ebenso wie der Performancekünstler Leigh Bowery und seine Freundin Sue Tilley, sie sind nur die bekanntesten Beispiele einer langen Liste von Freunden und Familienmitgliedern, die Freud neben einer geringeren Zahl öffentlicher Figuren wiederholt porträtierte und von denen viele anonym bleiben. Was sie alle jedoch zusammenhält, ist Lucian Freuds tiefe Verbundenheit zum lebenden Modell, das nicht selten auch wichtiger Teil seines Privatlebens war.


Girl with a White Dog, 1950-1. Tate: Purchased 1952 © Tate, London 2012.

„Meine Porträts sollen dem Menschen entsprechen, nicht ihm ähneln“ – der britische Künstler mit österreichischen Wurzeln und dem berühmten Großvater gilt zuweilen als einer der größten realistischen Maler der neueren Zeit, der es immer wieder verstand, seine Modelle in seinem sehr prägnanten Stil dennoch realistisch wiederzugeben. Ist er auch verstorben, so belässt es die Ausstellung „Lucian Freud Portraits“ nicht bei einer rein kunsthistorischen Reminiszenz an Freud. Vielmehr verbinden sich die Räume und Stockwerke in ihrer chronologischen Abfolge zu einem umfassenden Ein- und Überblick eines Künstlers ebenso wie des Lebens hinter dieser Rolle – oder um es in den Worten von Kuratorin Sarah Howgate zu sagen: ein ganzes Leben, repräsentiert in und durch Malfarbe.


Eli and David   2005-06. Private Collection © The Lucian Freud Archive. Photo: Courtesy Lucian Freud Archive.

Lucian Freud Portraits, 09. Februar bis 27. Mai 2012, National Portrait Gallery, London.

www.npg.org.uk

Erstes Bild > Benefits Supervisor Sleeping, 1995. Private Collection © The Lucian Freud Archive. Photo: Courtesy Lucian Freud Archive.

Text: Teresa Köster

stylemag
STYLEMAG - hier berichtet die Redaktion.

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