– 21.12.2011

„In the future everyone will be world-famous for 15 minutes“ – Fraglich, ob Andy Warhol 1968 schon wusste, wie recht er knapp fünfzig Jahre später mit seinen entschiedene Ausspruch haben würde, der wohl zu den bekanntesten Sätzen der neuren Kunstgeschichte gehört. Massenmedien und Starkult waren es bekanntermaßen, die Andy Warhol Zeit seines Künstlerlebens am meisten tangierten, wenn diese auch noch in anderen Formen erschienen als die heutigen. Ebenjenen Themenfeldern der Pop-Art-Legende, die auch heute nicht an Aktualität verloren haben, widmet sich die Wanderausstellung „Warhol: Headlines“, welche ihre Premiere in National Gallery of Art in Washington D.C. feiert, um im Februar zunächst nach Frankfurt in das MMK Museum für Moderne Kunst zu kommen und anschließend nach Rom und Pittsburgh zu wandern.

Mit „Warhol: Headlines“ werden erstmals all jene Arbeiten Andy Warhols vereint, in denen er sich mit Massenmedien und Starkult auseinandergesetzt hat. Dazu gehören etwa Gemälde, Zeichnungen, Drucke, Fotografien, Skulpturen und Videos Andy Warhols, die in „Warhol: Headlines“ nebeneinander gestellt werden, um in ihrem Zusammenspiel die zwiegespaltene Faszination ihres Erfinders zum stärksten bildlichen Ausdruck zu führen. Ausgangspunkt für das umfassende Ausstellungsprojekt ist eine der Arbeiten Warhols, die sich seit 1981 im Besitz des Frankfurter Museums befindet und zu der Serie „Daily News“ gehört.

Comicbilder, Zeitungsausschnitte, Pressebilder aus Tageszeitschriften, Kinoheften und Flugblättern sowie Sujets der Popkultur, sie alle bilden die Grundlage von Warhols Schaffen. Zeitungsschlagzeilen und Titelblätter sind es auch, die in „Daily News“ wiedergeben und unterschiedlich stark bearbeitet werden. Mal scheinen sie vergleichsweise genau kopiert in Schwarz-Weiß, dann wieder leuchten sie in den warholtypischen Farben und bieten den Untergrund für eine Blumenwiesenvariation. Inhaltlich sind sie ebenso variabel: Neben Sportberichten wird hier von Unglücks- und Krankheitsfällen, von Sensationen und Skandalen erzählt, die sich in ihrer Wichtigkeit scheinbar nur wenig von ersteren – den Unterhaltungsmeldungen – unterscheiden.

Die gesellschaftliche Rolle der Massenmedien legt Warhol, der sich wie viele seiner Mitstreiter der Pop Art immer unkritischer gab als er heute interpretiert wird, auf diese Weise ohne viel Aufsehen frei. Prominenz, Tod, Katastrophen und zeitgenössische Ereignisse aus den Medien tauchen gleichberechtigt nebeneinander auf.

Kein persönlicher Kommentar findet sich hier; die Worte und Bilder sprechen so isoliert aus dem größeren Zeitungskontext bereits für sich, machen aber gleichzeitig deutlich, wie ursprünglich Tragisches durch die massenhafte und endlose Reproduktion durch etwa Zeitungen schnell an emotionaler Wirkungskraft verliert, geradezu irreal wird, und (reißerische) Schlagzeilen meinungsmachend wirken können.

„Warhol: Headlines“, 25. September 2011 – 02. Januar 2012 National Gallery of Art, Washiongton D.C.; 11. Februar – 13. Mai 2012 MMK Museum für Moderne Kunst, Frankfurt; 11. Juni – 09. September 2012 Galleria Nazionale d’Arte Moderna, Rome ; 14. Oktober 2012 – 06. Januar 2013 The Andy Warhol Museum, Pittsburgh.

www.mmk-frankfurt.de

Text > Teresa Köster

stylemag
STYLEMAG - hier berichtet die Redaktion.

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