– 22.07.2011

Gattungsgrenzen gelten in der bildenden Kunst eigentlich als künstliche Einengung aus früheren Zeiten und längst überwunden. Der Praemium Imperiale, sozusagen das Nobelpreis-Äquivalent für die schönen Künste, wird seit 1989 jedes Jahr vergeben und sieht sich der Überwindung solcher Grenzen noch ausgesetzt. In diesem Jahr wurde etwa Bill Viola in der Kategorie Malerei ausgezeichnet.


Anish Kapoor, „Cloud Gate“, 2004, Millennium Park, Chicago, photo: Peter J. Schluz, courtesy: The City Chicago and Gladstone Gallery

Seine Videoinstallationen leben tatsächlich durch ihre malerische Qualität, sind aber doch filmischer Natur und damit von einer zeitlichen Abfolge geprägt, die eher untypisch für Malerei ist. Anish Kapoor gewann den Preis für Skulptur. Seine monumentalen Werke sprengen aber seit jeher den Begriff der Skulptur hin zu Installation, Konzeptkunst und Environment.


Ricardo Legorreta, „Camino Real Hotel“, Mexico City, Mexico, 1968, photo: Allen Vallejo © Legorreta + Legorreta

In der Kategorie Architektur bekam der Mexikaner Ricardo Legorreta den Praemium Imperiale für sein Lebenswerk einer innovativen, aber stets den Ort behutsam behandelnden Baukunst, die sich somit ausdrücklich auch als Stadtplanung begreift. Die Kategorie Theater leistet sich den Schrägstrich Film, hier erschien den Initiatoren des von einer japanischen Organisation ausgelobten Preises die Begrenzung wohl von Beginn an obsolet.


„Shakespeare in Love“ Judi Dench with Colin Firth, 1998, photo: Everett Collection/Rex Features

Die Preisträgerin Judi Dench hält von starren Sparten eh nichts und stand sowohl in beinahe jeder Shakespeare-Frauenrolle auf der Bühne, als auch vor der Kamera von Fernseh- und Filmproduktionen. Fünfter Gewinner in der Kategorie Musik, die sich, wenn man die bisherigen Preisträger  betrachtet, noch sehr auf die klassische Orchestermusik konzentriert, ist der Dirigent Seiji Ozawa.

Klaus-Dieter Lehmann, Präsident des Goethe-Instituts und Vorsitzender des deutschen Komitees für den Praemium Imperiale, und Heinrich Wefing, Zeit-Redakteur und Komiteeberater für Architektur, sind sich der Starrheit des Fünf-Kategorien-Rasters, in das Kunstformen wie Tanz oder Konzeptkunst schlecht hineinpassen, wohl bewusst, versuchen es aber auf unterschiedliche Weise aufzuweichen. Während Lehmann den Weg der Einflussnahme über die Gremien geht, hält Wefing die Kategorien eigentlich für gleichgültig, schließlich könne man sich ja darüber hinwegsetzen. Ein Glück für Bill Viola …

www.praemiumimperiale.org

Erstes Bild > Bill Viola, „Five Angels for the Millennium, Departing Angel“, 2001, Video/sound installation in five parts, photo: Kira Perov

Text > Marcus Woeller

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STYLEMAG - hier berichtet die Redaktion.

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