– 20.07.2011

Betritt man die Galerie Kai Dirkhas, die sich auf Roma- und Sinti-Kunst aus aller Welt spezialisiert hat, taucht man ein in eine bunte Welt des Pop und der Puppen. Den gesamten Raum nehmen sie ein mit ihren wild gemusterten oder grell bekleideten kindsgroßen Körpern, umgeben von nicht weniger farbigen Objekten – in einem aus perforierten Stoffbahnen geformten Zelt, in Gruppen oder allein stehend, neben einer großformatigen Wandarbeit aus Text und Bild.

Doch eigentlich sind es nicht die Puppen, um die es hier gehen soll: „Hexenjagd“ heißt die Ausstellung, die der Künstlerin Delaine Le Bas den optimalen Vergleichspunkt für die Jahrhunderte lange Verfolgung der Roma bieten soll. Hass und Hysterie wurde beiden entgegen gebracht, ob durch Projektion zur Hexe erklärt oder ihrer ethnischen Zugehörigkeit wegen.

Der Sprung zur Frage, die hinter der Ausstellungskonzeption steht, hat mit Hexen, Roma und ihrer Verfolgung jedoch nicht viel zu tun. Hier lotet die Künstlerin zwar die Aktualität von Projektionen und Stereotypen aus, widmet sich aber vielmehr einer Kinderwelt aus Puppen, Walt Disney und Comic. Etwas Albtraumhaftes, Unheimliches mutet den Puppen dabei an, denn all der fröhlich leuchtenden Farben, Krönchen, Folklore- und Prinzessinnenkleider zum Trotz bleiben sie durch ihre Vermummung oder Maskierung seltsam charakterlos.

Eigentlich Vertrautes wirkt seltsam fremd. Die Puppen scheinen in einer Welt von Macht und Hierarchien zu „leben“ und so thront die eine Figur herrschaftlich im Zelt, während eine andere in unschuldig-mädchenhaftem Kleid mit volkstümlichen Stickmustern eine kleinere Puppe guillotiniert hat. Grausamkeit herrscht so offensichtlich in der nur scheinbar kindlichen Glitzerwelt, auf die eine auffallend unauffällige Puppe in schwarzem Anzug und Hut aus einiger Höhe herabblickt.

Der Bruch von Assoziation und Eindruck, von Erwartung und Wirklichkeit gelingt zweifellos, doch bleibt die Frage, wie dieser zum Titel und dem dazu gehörigen Ansatz passen soll. Lediglich die Texte und Bilder an der Wand erzeugen Verbindungen zu der Jagd auf Hexen. Stereotypen und Gedankenmuster des Unterbewussten oder der Gesellschaft hätte man schlussendlich wesentlich effektiver ohne den unverständlichen Bezug des Titels vornehmen können. Es ist eine Puppenjagd, die hier aus den eigenen Reihen vorgenommen wird, doch Hexen assoziieren sich dabei nicht. Selbst auf die übliche böse Hexe des Märchens wurde verzichtet, die doch so überzeugend die Aktualität der Hexen-Klischees hätte untermauern können. Stattdessen fragt ein Plakat nach der Anwesenheit Schneewittchens, deren nachbearbeitetes Bild neben den Worten gleich zweifach prangt – ein Steckbrief der von ihrer Stiefmutter Verfolgten oder ein Abbild der Herrscherin über die sieben Zwerge?!

Delaine Le Bas: Hexenjagd, noch bis zum 19. August 2011, Galerie Kai Dikhas, Berlin

www.kaidikhas.com

Bilder + Text > Teresa Köster

stylemag
STYLEMAG - hier berichtet die Redaktion.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>