– 24.05.2011

„I love music so much and I had such ambition that I was willing to go way beyond what the hell they paid me for. I wanted people to look at the artwork and hear the music.“ – Mit diesen Worten beschreibt Designer Alex Steinweiss den Beginn einer bahnbrechenden Neuerung, die er 1940 als Artdirektor bei dem neugegründeten Musiklabel Columbia Records einführte: das moderne Albumcover.

Als Steinweiss mit 23 Jahren seinen Posten bei Columbia Records antrat, befand sich die junge Plattenfirma in einer Zeit voller Innovationen. In dieser Umbruchsstimmung gelang es Steinweiss, seine Arbeitgeber von der Notwendigkeit eines neuen Erscheinungsbildes ihrer Schallplatten zu überzeugen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Gestaltung nie eine Rolle gespielt, doch von da an sollten die „tombstones“ (Grabsteine), wie die bis dahin üblichen schlichten Pappeinbände genannt wurden, durch illustrierte Schallplattenhüllen ersetzt werden.

Im Zuge der Aufwertung von Gebrauchskunst durch die klassische Moderne zielten Steinweiss’ Albumcover auf die Erzeugung eines Gesamtkunstwerkes aus modernen Bildern und Typografie. Nicht Fotografien, sondern bunte Illustrationen und seine charakteristische Schreibschrift („Steinweiss Scrawl“) zieren die Hüllen, die allesamt handgefertigt sind. Daneben prägte er das gesamte Erscheinungsbild von Columbia Records, denn aus seinen Händen stammen ihre Logos, Werbematerial sowie andere grafische Elemente dieser Zeit.

Heute mögen seine Werke im Vergleich zu den Vorstellungen von reduziertem modernen Design zu ornamental wirken, doch bedeuteten sie in ihrer Zeit ein Plädoyer für die Moderne, inspiriert von Bauhaus und Art Déco. Für die Visualisierung von Musik hat Alex Steinweiss damit den Grundstein gelegt und unser Verständnis von Produktgestaltung entscheidend geprägt.

In einer Zeit, in der Musik vor allem digital konsumiert wird, findet sich der größte Anreiz zum Kauf einer CD oder Schallplatte in einem überzeugend gestalteten Gesamtkunstwerk aus Musik und der aus ihr heraus entstandenen Covergestaltung. Obwohl Steinweiss’ Signatur für einige Zeit das auf Alben am häufigsten zu findende Wort war, ist sein Name lange in der Flut von signifikanten Tonträgerverpackungen untergegangen, aus deren Untiefen das vom Taschen-Verlag herausgegebene Buch „Alex Steinweiss – The Inventor of the Modern Album Cover“ den bedeutenden Designer nun holt. Das Buch versteht sich ebenfalls als Gesamtkunstwerk und so ziehen sich Steinweiss’ Gestaltungselemente durch die gesamte Publikation.

Alex Steinweiss / Kevin Reagan, „Alex Steinweiss – The Inventor of the Modern Album Cover“,  Taschen Verlag, Köln 2011

www.taschen.com

Bilder + Text > Teresa Köster

stylemag
STYLEMAG - hier berichtet die Redaktion.

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