– 05.04.2011

Serge Cajfinger bittet um Diskretion. Seit 23 Jahren festigt er mit dem Label Paule Ka den vielbeschworenen Pariser Chic. Ohne selbst Pariser zu sein. Geboren in Brasilien, kam er mit 15 Jahren nach Frankreich, gründete mit 19 seine erste eigene Boutique in Lille. 1987 etablierte Cajfinger Paule Ka in Paris. Seitdem balanciert seine Mode auf dem Trapez gesellschaftlicher Befindlichkeiten. Tradition und Strenge, Modernität und Ironie lassen die Bekleidung von Paule Ka schweben zwischen Konservatismus und popkultureller Referenz, zwischen schwarz und weiß, zwischen den Extremen.

Die Kollektionen Serge Cajfingers riskieren durch Reduktion, suchen die Übereinkunft von brasilianischem Impuls und französischer Geradlinigkeit. Eine Verbindung konkreter Gegenteile, die der Designer mit der chinesischen Philosophie von Yin und Yang beschreibt: »Das Leben in zwei Ländern, die sich in ihrem Lebensstil so sehr unterscheiden, ist eine große Bereicherung. Besonders weil beide Länder das totale Gegenteil voneinander sind.« Vielleicht sei das der Grund für den starken Farbkontrast von schwarz und weiß in seinen Kreationen, denn diese Verbindung bedeute für ihn Balance. In einem Mix aus Eleganz und Sinnlichkeit treffen sich die Einflüsse. Gedeckte Farben und hochwertige Materialien wie Pelz, Organza und Neopren spiegeln den Einfluss von Paris; außergewöhnliche Schnitte und detailverliebter Schmuck zeugen von Cajfingers Brasilien.

Paule Ka – eine Marke, die nach Perfektion strebt. Serge Cajfinger – ein Designer, stilisiert bis in die inspirativen Referenzen: »Mode zu kreieren ist ein Kindheitstraum. Der Schlüsselmoment war die Entdeckung von Jackie Kennedy während John F. Kennedys Beerdigung. Ich erlebte sie mit solcher Eleganz und Klasse. Ich war zehn und begann, mich für sie zu interessieren, ihren Stil, ihre Outfits.« Es täte weh, diesen Klassizismus nicht als Provokation zu verstehen. Denn Cajfinger kopiert sie nicht, die Jackies und Audreys, die Ikonen seiner Kindheit. Seine Mode befreit sie, unterstreicht ihre Ambivalenz.

Hochgeschlossene Minikleider und Tellerröcke werden durch am Saum hervorblitzenden Tüll ihrer Strenge beraubt. Mit transparenten Geweben verleiht er Strick Volumen und Verwegenheit. Ein Tageskleid aus schwarzem Latex verliert durch die 1950er-Jahre-Silhouette, eine biedere Knopfleiste und den hochgeschlossenen Herrenkragen jegliche pornografische Konnotation.

Seine Kundinnen beurteilt Cajfinger als fordernd. Eine Eigenschaft, die ihn auch an Kampagnenmodell Kirsten Owen reizte. In oranges Licht getaucht und dank körniger Optik belebt die Kanadierin seine Mode auf komplexe Art und Weise. »Kirsten verkörpert die zwei Antipoden von Paule Ka durch ihre Grunginess und indem sie eine Frau mit echter Klasse ist, einer Strenge.« So tragen die Kollektionsteile von Paule Ka den Geist einer Frau, die ihre vermeintliche Verschlossenheit humoristisch zu interpretieren weiß. Am Saum baumelnde Fuchsschwänze, langhaarige Fellapplikationen an den Ärmeln oder Goldschmuck, dessen kleine Ikarusflügel spitz ums Handgelenk liegen, sind nur einige Beispiele für den spielerischen Umgang Cajfingers mit ungewöhnlichen Details.

Die Komplexität dieser Mischung aus europäischer Strenge und der Suche nach sinnlichen Experimenten scheint auch den Vorstellungen asiatischer Kundinnen zu entsprechen. Besonders in Japan feiert die klassische, aber nie konservative Mode von Paule Ka, angereichert mit dem Mythos der »élégance à la française«, ökonomische Erfolge. Marktpotenzial, das den Designer träumen lässt, von einem Paule-Ka-Universum mit Boutiquen rund um den Globus, der Entwicklung neuer Produkte wie Lingerie oder Porzellan und der Etablierung einer eigenen Lebensart – dem Lifestyle Paule Ka.

Text: Mareike Nieberding
photos: Gregory Derkenne

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