– 15.03.2011

Ein Feuerwerk an Strahlkraft haben Bice Curiger, die Kuratorin der 54. Internationalen Kunstausstellung in Venedig und Paolo Barrata, der Präsident der Biennale, heute nicht gerade gezündet. Und das, obwohl ihr Titel für die älteste und zweifellos immer noch wichtige Biennale „Illuminazioni“ lautet. Er beschreibe „das Kerngeschäft der Kunst“, so die Schweizer Kunsthistorikerin und Publizistin. Für ihre Ausstellung wolle sie einen „Kunstbegriff ins Zentrum stellen, der die Instrumente der Wahrnehmung schärft“ und dabei gleichzeitig die idealisierte Vorstellung der Aufklärung kritisch beleuchten wie auch verteidigen soll.


Jack Goldstein, Untitled, 1985© Gerhard Born / Ringier Collection, Switzerland

Dem zähen Vorwurf an die sehr traditionelle Biennale, nämlich einem überkommenen Nationalbegriff anzuhängen, begegnet Curiger frontal. Nation sei „ein sehr beladenes, klebriges Wort, aber wo anders als in der Kunst lässt sich ein solches Wort in etwas Luzides verwandeln.“ Keine Lichtmetapher blieb bei der Vorstellung des Programms in der italienischen Botschaft in Berlin unangetastet. Und metaphorisch will sie auch den Begriff der Nation verstanden wissen. Die Nationen in einer globalisierten Welt seien „kollektive Szenen und Mentalitäten“ gemeinschaftlichen Lebens, erklärte Curiger, formulierte aber noch nicht den Vorschlag, die Länderbezeichnungen von den Pavillons abzumontieren und konsequenterweise durch Milieuzuschreibungen zu ersetzen.


Monica Bonvicini, Light Me Black“, 2009, Installation view: Galerie Max Hetzler, Berlin, Monica Bonvicini, „Bet Your Sweet Life“, 2010, Photo credits: def image

Die Künstlerliste, die die Herausgeberin der Kunstzeitschrift Parkett vorstellte, macht dennoch Lust auf die Biennale, die am 3. Juni in Venedig eröffnet wird. Sie umarmt den venezianischen Lokalmatador der Spätrenaissance Tintoretto und will doch den Fokus auf zeitgenössische Kunst und viele Künstlerinnen und Künstler unter 35 Jahren richten, mischt bekannte Namen wie Monica Bonvicini, Trisha Donnelly, Urs Fischer, Katharina Fritsch, Roman Ondak, James Turrell, Sturtevant oder Corinne Wasmuht mit Neu- und Durchstartern der letzten Jahre wie Klara Lidén, Cyprien Gaillard, Gabriel Kuri, Das Institut oder Annette Kelm und von der Kunstgeschichte Vergessene wie Johanna Natalie Wintsch oder Jack Goldstein.


Christian Marclay, „The Clock“, 2010, Courtesy White Cube, London and Paula Cooper Gallery, New York

Bice Curigers persönliche Innovation in den Biennalebetrieb sollen aber die „Parapavillons“ werden. Künstlerinstallationen zwischen Skulptur und Architektur, in denen wiederum Arbeiten anderer Künstler präsentiert werden. Franz West und Monika Sosnowski haben dafür u.a. Curigers Vertrauen gewonnen. Und wie steht der Präsident zu seiner Kuratorin? „Wir sind mit Bice einverstanden.“ Auch das der Ausdruck einer soliden, aber nicht gerade leidenschaftlichen Zusammenarbeit…


Elad Lassry, „Giraffe“, 2011, Courtesy the artist


Song Dong, „Intelligence of the Poor: Living with the Tree“, 2005, Courtesy Pace Beijing

54. Internationale Kunstausstellung, La Biennale di Venezia
„ILLUMINAnazioni“, 4. Juni – 27. November 2011

www.labiennale.org

Erstes Bild > Portait Paolo Baratta und Bice Curiger, Photo: Giorgio Zucchiatti, Courtesy: la Biennale di Venezia
Text > Marcus Woeller

stylemag
STYLEMAG - hier berichtet die Redaktion.

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