– 21.02.2011

Schauplatz: Seattle; Zeit: Ende der Achtziger Jahre. Da sitzen ein paar ungewaschene Jungs mit reichlich Grünzeug in den Köpfen und Flanell an den Leibern herum, beflissen mit dem Nachspielen von Black Sabbath-Alben beschäftigt. Welche Blüten aus diesen Übungskellern bis in die Charts gewachsen sind, dürfte noch einigen in Erinnerung sein. Mit Gitarre, Bass, einem umgefallenen Verstärker und endlos hallenden Akkorden war natürlich – Grunge-Hype hin oder her –bei der großen Menge kein Blumentopf zu gewinnen. Vielmehr wurde Dylan Carlson mit seinem Projekt Earth zu einer Kultfigur für eingeweihte Langhaarnerds. Nicht nur Kurt Cobain huldigte ihm, auch ein gewisser Greg Anderson gründete seinerzeit Doom-Überduo Sunn O))) als Tribut an Earth und betreibt seit 1998 das exquisite Label Southern Lord, bei dem alles, was unheilschwer dröhnt, ein zu Hause findet. So auch Earth, die auf ihrem neuen Album den Maximen gedrosseltes Tempo, tiefe Töne und Melodieverweigerung konsequent treu geblieben sind. Doch bewegen sich Carlson und seine Mitmusikerinnen auf „Angels of Darkness, Demons of Light 1” in vergleichsweise klassischen Gefilden. Eine Cellistin ist nun mit an Bord, verhaltenes Schlagzeug ist zu vernehmen, Parallelen zu Virtuosen der atmosphärischen Instrumentalmusik wie Dirty Three lassen sich erahnen. Natürlich erreichen sie niemals deren Hysterie; Earth operieren hier auf konstant bedrohlicher Ebene, die Bewegungen vollziehen sich schleichend und tückisch, da nimmt man sich auch schon mal 20 Minuten Zeit für einen Song. Schwer, aber nur scheinbar unbeweglich sitzen die großen Earth auf ihrem Thron.

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=Lb-3eBlv_qE[/youtube]

Earth
„Angels of Darkness, Demons of Light 1”
Southern Lord
www.southernlord.com

Text > Nadine Hartmann

stylemag
STYLEMAG - hier berichtet die Redaktion.

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