– 17.02.2011

Zunächst das Versprechen, dass es in dieser Rezension keine „The revolution will not be remixed“ Witze geben wird. Dennoch muss wahrscheinlich zu allererst die Frage gestellt werden, wer hier wen re-interpretiert: hat Jamie Smith bzw. Jamie xx das lang erwartete, 2010 erschienene und weitläufig gelobte Album des Spoken-Word-Graureihers schlicht in tausend Stücke zerschmettert, mit denen er nun gekonnt und kunstvoll jongliert und finstere Dubgründe damit auslotet? Denn es wird schnell klar, dass Jamie xx den Zusammenhang zwischen Sprache und Rhythmus, Musik und Dichtung, wie Gil Scott-Heron ihn zum klingen bringt, verstanden hat. „I did not become someone different I did not want to be, but I’m new here – will you show me around?“ fragt aus dem Winter in Amerika heraus das Alte das Neue in London und es wirkt stimmig, das kulturelle Erbe so zu verkehren, bis sich die Elektronik wie der Grünspan des Abgekupferten um den Soul rankt wie um eine aufgelassene Schwebebahn, deren rostige Spur sich durch ein von schmutzigem Raureif knisterndes Chicago windet, ohne Anfang Richtung nichts. Vielleicht aber ist es auch umgekehrt, viel naheliegender, denn Jungspund Jamie Smith ist neu hier und studiert die Werke des Alten wie die Schriften von Heron von Alexandria, dem wir die Handhabbarmachung der Quadratwurzel verdanken, dank der überhaupt erst musikalische Intervalle denkbar werden. Schlussendlich heißt die Platte nicht umsonst „We’re new here“: eine neue, dritte Harmonie entsteht in gegenseitiger Resonanz voller Spiegelfrequenzen und Worten, die auf Worte antworten.

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=gxZZWhPdKps[/youtube]

Album Stream via Smartphone Transmission hier:

Gil Scott-Heron and Jamie xx
„We’re new here“
XL

Text > Paul Feigelfeld

stylemag
STYLEMAG - hier berichtet die Redaktion.

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