– 22.12.2010


„Menschenmaterial“ – das Unwort des 20. Jahrhunderts, so entschied die Gesellschaft für Deutsche Sprache Anfang des Jahres. Der Schweizer Künstler A. C. Kupper arbeitet auch mit Menschenmaterial, allerdings weniger in menschenverachtender als durch aus philantropischer Weise. Dadaistisch verfährt er mit vorgefundenen Fotografien um, setzt sie malerisch um, bearbeitet und verfremdet sie neuen Bildgeschichten.

„Fotografie ist eben die Fortsetzung der Malerei mit anderen Mitteln, und der Rechner erweitert die bildnerischen Möglichkeiten.“ schreibt der Künstler Oliver Ross in seinem Essay zum gerade erschienen Fotobuch „Revolutionäre Mittelklasse“ von A. C. Kupper. Gerade diese von allen gesellschaftlichen Schichten wohl am wenigsten unter Revoluzzerverdacht stehende Klientel weidet Kupper genüsslich aus.

Er morpht die Geschlechter, lässt Schemen durch die Wohlfühlarchitekturen des Mainstreams irrlichtern, spielt die Lady Dada des Photoshops. Die ästhetischen Blessuren Gesichter und Posen seiner Protagonisten verstehen sich als Abziehbilder eben der Schäden, die eine Gesellschaft genommen hat, aber perfekt in der Lage sie zu verstecken.

„Revolutionäre Mittelklasse“ – das perfekte Weihnachtsgeschenk für Mittelstandskinder an ihre Eltern, falls die bürgerliche Ruhe unterm Tannenbaum überhaupt noch von etwas gestört werden kann.

A. C. Kupper, „Revolutionäre Mittelklasse“, Edition Patrick Frey, 2010
www.editionpatrickfrey.com

Am 22. Dezember 2010 findet um 19.30 Uhr die Buchvernissage mit A. C. Kupper im Züricher Helmhaus statt, Limmatquai 31.


Bildcredit > alle Abbildungen aus dem besprochenen Band

Text > Marcus Woeller

stylemag
STYLEMAG - hier berichtet die Redaktion.

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