– 30.11.2010

Wie wir wissen, werden die fossilen Energieressourcen knapp auf unserem Planeten. Deshalb müssen Wissenschaft, Design und letztlich auch Wirtschaft zusammenarbeiten, das Problem unserer Energieversorgung zu lösen. Statt aber lediglich im Erfolg der Arbeit dieser Instanzen das Heil der menschlichen Zukunft zu sehen, ist es wichtig, dass auch für jeden Einzelnen persönlich ein Umdenken stattfindet. Warum nicht eine Lampe designen, die eben nicht immer funktioniert, komme was wolle, Hauptsache die Steckdose macht nicht schlapp. Warum nicht eine Lampe designen, die eher wie ein Haustier ist, die so gut oder so schlecht leuchtet, wie wir uns um sie kümmern. Genau das hat Mike Thompson gemacht. Er hat eine Algenlampe erfunden, deren „Saft“ rein organisch, durch Photosynthese, bereitgestellt wird. Ihr Name ist „Latro“.

Die Chloroplasten in den Zellen der Algen wandeln CO2 und Sonnenlicht in Sauerstoff und Zucker, bzw. Stärke um, die die Pflanze zur Nahrung benötigt. Während der Photosynthese wandern Elektronen von der einen Seite der Zelle zur anderen, es entsteht also ein elektrisches Potential. Wissenschaftler der Yansei und Stanford University haben nun eine Technik entwickelt, 30 Nanometer breite Gold-Elektroden in die Zellen der Alge einzubauen, die die wandernden Elektronen abfangen und so Strom in einer Batterie speichern können. Diese betreibt, wenn es dunkel ist, die Lampe, welche direkt unter dem Algen-Tank angebracht ist. Dabei wird darauf geachtet, dass die Zellen nur angezapft werden, wenn genügend Sonnenlicht vorhanden ist, die Versorgung der Pflanze also trotzdem noch gewährleistet ist.

Die Nahrung, die der Besitzer seinen Haustier-Algen neben Licht noch bereitstellen muss, ist CO2, welches ganz einfach durch schlichtes Hineinblasen in eine dafür vorgesehene Öffnung zugeführt wird. Durch ein anderes Loch kann dann der produzierte Sauerstoff entweichen. Pflanzen haben allgemein die Eigenschaft, sich anzupassen. Das nennen Biologen „Adaption“, eine grundlegende Fähigkeit intelligenter Lebewesen. Wenn Pflanzen zu viel haben, verschwenden sie es nicht, sondern optimieren lieber den Prozess oder hören gleich ganz auf, Überschuss zu produzieren. Der moderne Mensch, dem das „zu viel“ in Form der kapitalistischen Wachstumsideologie bereits in die Gesellschaftsform eingeschrieben ist, kann sich dort Einiges abschauen. Ein erster Schritt ist getan, wenn die Steckdose zum Haustier wird. „Selbstverständlich“ war gestern.

www.miket.co.uk

Text > Pascal Dasinger

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STYLEMAG - hier berichtet die Redaktion.

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