– 26.07.2010

Wohin geht das Licht, wenn es dunkel wird? Diese Frage kann man sowohl philosophisch als auch physikalisch zu beantworten versuchen, ganz fassbar wird es nie – eben wie das Licht an sich auch. Ganz fassbar gibt es nun jedoch in Berlin einen Ort, an den alte Leuchtreklamen gehen, wenn sie ihren letzten Strahl verschenkt haben. In der tristen Atmosphäre des Berlin Carrés befindet sich seit einigen Tagen die neue Heimat des Buchstabenmuseums.

Ausgestellt werden dort einzelne Lettern oder auch ganze Schriftzüge, die einst Geschäfte beworben haben. Sei es der Wirtschaftskrise geschuldet oder bloß einem veränderten Trendbewusstsein, dass diese keine Verwendung im Stadtbild mehr finden, das Buchstabenmuseum bewahrt sie vor der Müllkippe und verwahrt sie für die Nachwelt.

Ein umgekipptes Stadtsparkassen-S trifft auf ein einsames U-Bahn-U, „Servus Lederwaren“ gibt es wohl nicht mehr, genauso wenig wie das „(H)AUS Terassencafé“. Das blaue Logo der Techniker Krankenkasse TK trägt noch Taubenpicker auf seinem Dach, die auf ursprüngliche Anbringung im Außenbereich schließen lassen.

In den ehemaligen Räumen eines Sonnenstudios wirkt ein kleines ö ein bisschen verloren, während sich neben ihm zahllose Ss und Es aufeinander türmen. Manche unter den Exponaten sind alte Bekannte, anderen ist man noch nie zuvor begegnet. Alle tragen im wahrsten Sinne des Wortes die Schrift einer anderen Zeit.

Ob Graphologe, Typografie-Fan oder einfach nur verirrter Flaneur, das kleine Museum ist einen Besuch wert und kann eine beeindruckende Sammlung vorweisen.

Buchstabenmuseum
Karl-Liebknecht-Str. 13
Berlin Carré, 1. OG
10178 Berlin – Mitte
Deutschland

Donnerstag bis Samstag 13 – 15 Uhr

www.buchstabenmuseum.de


Bilder + Text > Frederike Ebert

stylemag
STYLEMAG - hier berichtet die Redaktion.

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