– 23.07.2010

Das pathetische Bild des Löwenzahns, der sich seinen Weg durch den Asphalt bohrt, ist dank der gleichnamigen Kinderserie einer ganzen Generation bekannt. Auch über die deutschen Grenzen hinweg hat das Motiv Symbolkraft: Die Natur holt sich ihr Recht.

Die Realität sieht leider anders aus. Das Grün verschwindet peu à peu aus dem Stadtbild. Dabei sind sogenannte grüne Lungen wichtig für das Klima, auch für das soziale. Vor einigen Jahren begannen Umweltaktivisten und Street-Artists daher, illegal Pflanzen an öffentlichen Plätzen zu säen. Guerilla Gardening wurde diese Strömung genannt und ist spätestens seit sogar Manufactum Saatbomben vertreibt, längst im Mainstream angekommen.

Nicht um einen postpubertären Dumme-Jungen-Streich, sondern um ein partizipatives System zur Rückeroberung des urbanen Raumes handelt es sich bei dem Projekt Prinzessinnengarten in Kreuzberg. Im Sommer 2009 begann der Verein Nomadisch Grün die Brachfläche am Moritzplatz in ein grünes Idyll zu verwandeln. Dort wachsen nun Gemüse, Kräuter und verschiedenste Blumen – auch solche, die sich längst nicht mehr im standardisierten Sortiment der Supermärkte finden lassen.

Spargelpflanzen und grüne Tomaten boten gestern die Kulisse für die Veranstaltung „urbanoFILMS#14: grün statt grau”, die im Prinzessinnengarten stattfand. Städtisches Landwirtschaften und Gärtnern sind die Themen der dort gezeigten Filme, die zeigen, dass es auch Alternativen zur spießigen Kleingartenkolonie gibt.

Beim den vorgestellten Projekten geht es um mehr als um millimetergenau gestutzte Hecken und präzise vermessene Zäune, wie zum Beispiel in Ella von der Haides Filmreihe „Eine andere Welt ist pflanzbar“: In Kapstadt und Johannesburg schaffen sich die Bewohner mit ihrem Garten einen Zufluchtsort, mitten im Slum.

„Wer sich gut um seine Pflanzen kümmert, der kümmert sich auch besser um sich selbst und andere“, so eine der älteren Frauen des Gartenprojekts in Kapstadt. Neben Fürsorge und Liebe braucht das junge Grün aber vor allem eins: viel Wasser. Und das bekam es dann auch –  zum Leidwesen der Besucher von „urbanoFILMS#14: grün statt grau” schüttete es ab halb zehn wie aus Kübeln.


Bilder + Text > Frederike Ebert

www.urbanophil.net
prinzessinnengarten.net

stylemag
STYLEMAG - hier berichtet die Redaktion.

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