– 18.07.2010

Heiß, Schweiß, Baby.

12 Uhr Ferropolis, irgendwo im Nichts: unser Zelt steht, erfrischendes Augustiner aus der Kühlbox. Der VIP-Camping-Bereich ist noch gähnend leer und riecht nach frisch gemähtem Grün. Ein hübsches gelbes Bändchen kürt uns zu Melt!-Freunden. Dieser Melt! hat wirklich viele Freunde.

15 Uhr, Melt!-Festivalglände:  Kaum jemand außer mir verirrt sich am frühen Nachmittag auf das Gelände. Badesachen am Zelt vergessen, also in den schattigen Pressebereich. Wasser. Health optimieren ihren Krawallsound für ihren Auftritt beim Soundcheck im Zelt und Bonaparte lassen in der prallen Sonne ein Shooting über sich ergehen. Der arme Mann im Pferdekostüm.

17 Uhr Zeltplatz: Wasser. Ich zerlaufe. Die Duschen sind defekt, die Toiletten auch. Das Bier ist mittlerweile nur noch „kühl“. Das Handynetz ist überlastet – wir sind abgeschnitten von der Außenwelt in der Eisenstadt. Zwangskommunikationssperre.

19:30 Uhr, Converse Mainstage: Shout Out Louds. Das Gelände füllt sich merklich. Sie spielen „Very Loud“, die wenigen Hits vom aktuellen und die vielen Hits der früheren Alben. Eine Elfe wirft ihre Haare in den Rücken.

„Tonight I have to leave it“ und off we go zur Bench Gemini Stage nebenan. Two Door Cinema Club  spielen ein gutgelauntes Set, der zweite Gitarrist in Chinos und langärmligen Hemd riskiert lieber einen Hitzeschlag als seine Stilmaxime für den Moment zu vergessen. Das tun nur wenige der Festivalbesucher: Haut ist heute der angesagteste Stoff. Vor allem zwischen Schuhen und Hose und Oberteil. Gute Laune! Badesee!

22 Uhr, Bench Gemini Stage: Delphic haben einen hervorragenden Sound . Die Stimmung ist biergetränkt, schwitzig, feucht. Mondscheinrave auf dem Industriegelände. Auf den alten Förderkränen tanzen gigantische Licht-Strahler, deren geometrische Linienführung die Architektur fragmentiert, darunter die Menschen – eine überwältigende Atmosphäre. Über allem schweben drei riesige Diskokugeln. Aber die Nacht hat noch nichtmal begonnen.

23:30 Uhr, Bench Gemini Stage:  I see you Baby, shakin’ that ass – an- aber nicht ausgespielt: Back in the 90s mit Groove Armada. Big-Beat-Aerobic im heißen Outfit – Das ist schweißtreibend nicht nur für die vielen Briten im Publikum. Klingen live wie ein Film mit Julia Roberts; wie wehende Haare im Fahrtwind einer schnellen Karre und Jane Fonda im Lycra-Body-Suit.
00:15 Uhr, Converse Mainstage: The XX. So schön kuschlig und intim vor mehreren Tausend Zuschauern. Jetzt wäre die beste Zeit schlafen zu gehen, eigentlich. Aber meine Füße zappeln. Mückenalarm, nicht nur Sonnenbrand sondern auch noch Insektenplage?
1 Uhr, Bench Gemini Stage: Kele stürmt auf die Bühne, tatsächlich hat er wohl einige Zeit im Fitnesstudio verbracht. Durchtrainierter, tighter Sound – wie soll ich da die Bodenhaftung bewahren? Kele wirkt verglichen zu den letzten Bloc-Party-Auftritten regelrecht befreit. Er springt mit breitem Grinsen über die Bühne, spielt mit Heidenspaß alte Bloc Party Songs (u.A. eine Calypsoversion) und verlässt dann ausgerechnet mit „Flux“ die Bühne.

2 Uhr, Converse Mainstage: Wahnsinn, Foals reißen die Masse vor der Mainstage mit links mit. Ich bin begeistert – die neuen und alten Songs blenden großartig in einender, lange Instrumentalpassagen erleichtern den Übergang zwischen der Melancholie der neuen und Raserei der ersten Platte. Math-Prog-Rock im 1-a-Setting.

2:45 Uhr,  Bench Gemini Stage:  Als die erste und einzige Enttäuschung des Tages stellen sich Autokratz heraus. Was aus dem Computer kommt sollte in einigen Fällen auch einfach dort bleiben und in Clubs gespielt werden – vor allem wenn der Sänger nicht singen kann. Dieser gibt dann nach „Always More“ auch endlich auf zugunsten einer mittelmäßigen Technobeschallung.
Ich bin fertig – da hilft auch ein Ricardo Villalobos nichts. Morgen pack ich die Badehose ein, das ist sicher.


Text + Bilder > Vanessa Schneider

stylemag
STYLEMAG - hier berichtet die Redaktion.

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