– 13.07.2010

Als am Samstagnachmittag Models in Dawid Tomaszewskis Entwürfen über den Catwalk am Bebelplatz liefen, kam man um einen Gedanken nicht umhin: So hätte eine gute Kaviar-Gauche-Kollektion aussehen sollen. Denn während dort reichlich uninspiriert auf Stofflamellen als Selbstzitat in möglichst unterschiedlichen Pastellen und Längen gesetzt wurde und auf Roben für die deutsche Prominenz, präsentierte der Nachwuchsdesigner (der an der Universität der Künste bei Vivienne Westwood und zuvor Kunstgeschichte in Polen studiert hat) Extravaganz, die durch Purismus und Formverständnis entsteht.

Inspiriert von den Skulpturen der Serie „Torqued Ellipses“  von Richard Serra, mit denen der amerikanische Bildhauer in den Neunzigern fließend anmutende, gigantische Skulpturen aus Stahl präsentierte, die begehbar, private Räume im öffentlichen tranchierten, definierte Tomaszewski seine Entwürfe durch eine Mischung aus klar umrissenen, teils kantigen Silhouetten und stofflicher Transparenz.

Viele der, in X- und A-Linie geschneiderten Kleider und die meisterlichen Anzüge, deren verlängerte, weite Silhouette an Yves Saint Laurent in den Siebzigern erinnerte, waren zwar aus durchsichtigem schwarzem, rauchgrauem oder beigem Seidenchiffon, doch dank der Reduktion alles Überflüssigen, den verdichteten, vertikalen Nähten und der Steifheit im Material, wirkte nichts wattig, weichgezeichnet oder wie eine Projektionsfläche, sondern architektonisch feminin.

Und vielleicht erkennt man darin auch ein wenig seine bipolare Schule: Tomaszewski arbeitete während seines Studiums bei Sonia Rykiel und nach seinem Abschluss bei Comme des Garçons in Paris. Ein handwerkliches Verständnis für Material und das Diffizile der Plakativität vorzuziehen, dies beides scheint er nun meisterhaft in seine eigene Idee von Eleganz zu überführen.

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Bildcredit > Mercedes Benz Fashion Week
Text > Julia Christian

stylemag
STYLEMAG - hier berichtet die Redaktion.

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