– 07.05.2010

Marina Lambrini Diamandis stellt genau die Fragen, die man eigentlich nicht gefragt werden will. „Are you satisfied with an average life? Do I need to lie to make my way in life. Are you satisfied with an easy ride? Once you cross the line, will you be satisfied?“ Da wir alle natürlich ein absolut überdurchschnittliches und voll zufriedenes Leben führen, notieren wir entspannt, dass es sich wohl um eine Selbstbefragung der 24-Jährigen Gräkobritin handeln muss, schenken uns satisfiktiv ein Glas „Shampain“ ein, hören Dauerschleife und sprechen einen Toast aus – auf Marina, die das Pop-Album des Jahres geliefert hat, so far.

Erst wir, the Diamonds, ihr Publikum, brächten sie zum Glitzern, bekannte Marina uns in einem Interview vor einem Jahr kurz bevor sie mit der ersten Single (und dem grandiosen Video) „Mowgli’s Road“ in Erscheinung trat. Danke für die Blumen. Doch so viel Koketterie hat sie gar nicht nötig. Schließlich hat sie sich ja genug Zeit gelassen für ihr opulentes Debut-Album. 13 Kristalle sind drauf und kein Ausschuss dabei. Perfekt geschliffen, perfekt arrangiert und vermutlich auch perfekt im Markt platziert. Independent attitude aber gleichzeitig den Mainstream willkommenheißen. In dieser Hinsicht ist sie Singer-Songwriterinnen wie Debbie Harry, PJ Harvey oder Kate Bush (besonders in der sperrig-süßen Belcantoballade „Numb“) nicht unähnlich.

Das ruft natürlich nicht nur uns begeisterte Juweliere, sondern auch Kritiker auf den Plan. Schon wirft ihr der Guardian ihre Koloraturen als zu kalkuliert vor: „eveRY othER sylLAble IS draMAtiCALly OVer-EMphaSISed“. Klar, der Modulations-Gesang ist affektiert, die Musik pseudodramatisch, die Arrangements sind überspannt, Marina selbst wahrscheinlich ganz fürchterlich ich-bezogen, zickig, schwierig, UNausSTEHlich. Aber hey, schon mal was von POP gehört? Schon mal Pop gehört???

Marina & the Diamonds, „The Family Jewels“, Sixsevenine/Warner

Text > Marcus Woeller

stylemag
STYLEMAG - hier berichtet die Redaktion.

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