– 17.04.2010

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Berlin Press Days – das bedeutet 2 Tage, 20 Agenturen und ein Vielfaches an Kollektionen, die geschmackvoll ausgesucht und arrangiert in Showrooms über die ganze Stadt verteilt sind.  Mit engem Zeitplan radelt man also durch die Straßen und begutachtet die Herbst-Winter-Kollektionen von avantgardistischen Labels wie juliaandben, Boessert/Schorn, Starstyling, Carin Wester oder Kostas Murkudis bis zu denen großer Brands wie Acne, Y-3, Fred Perry, Levi’s, Nike oder Vans. 
Denn auch man wenn man einen Teil der Kollektionen schon vom Laufsteg der Fashion Weeks kennt, birgt die genauere Betrachtung, die Haptik von Stoffen und die Verarbeitung der Details immer wieder überraschende Aha-Erlebnisse oder die Entdeckung spannender, junger Labels.

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Clarissa Labin A/W 2010

So geschehen bei Silk Relations, als wir die Strickkleider und -jacken der Berliner Designerin Clarissa Labin entdeckten, die am London College of Fashion studierte und nun ihre erste Kollektion vorstellte. Zwar weniger experimentell im Schnitt als man das von anderen Jungdesignern kennt, dafür sah man skulpturale Strickdetails als Schulterbesatz oder als getrickte Volants, voluminöse Zopfmuster kombiniert zu Leder und Jersey und wohl das  schönste Gelb des kommenden Winters.

Dass man während der Style Nite im Friedrichstadtpalast zu erschlagen war vom Pomp und Putz, den Michael Michalsky anlässlich der Berliner Fashion Week initiierte, realisierte man aufs Neue, als man die Entwürfe von Lala Berlin und Kaviar Gauche nun in einer Suite im Ritz-Carlton aus der Nähe begutachtete. Kaviar Gauche blieb als ein einziger glitzernder Revuerausch in Erinnerung und doch ist die fast ganz in Schwarz geschneiderte Kollektion aus militärisch anmutenden Wollmänteln mit ledernen Schultern, Kleidern, aus gekreuzten und geschlitzten Seidenbahnen oder ein Kostüm, in das schwarze Kunststofffäden eingewebt sind, eine gute Kollektion, die zwischen kantiger Strenge und ungewöhnlichem Materialienmix changiert. Bei Lala Berlin ieß sich neben den meisterhaften Entwürfen aus gestrickten Metalgarnen in Kupfer und Grau als Hose, Shirts, Kleid und Einsätzen in einer Lederjacke, vor allem der Detailbesessenheit von Leyla Piedayesh entdecken: So waren die Seidentops mit unzähligen Insekten aus Perlen appliziert, mit wohl dosierten Mottenlöchern versehen und weißen Farbeflecken bestrichen.

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j dauphin A/W 2010

Auch hier gab es eine Neuentdeckung: Die schwedisch-französische Designer Johanna Dauphin , die neben ihrer  Schmuckkollektion aus unbearbeiteten, teils oxidierenden Ketten und Ringen und weichem Leder, nun erstmals eine Modekollektion präsentierte, die den ambivalenten Materialgedanken aufgreift und Leder und Seide mit industriellen, groben Applikationen mischt.

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Jean Paul Gaultier for Levi’s | Dungaree Dress

Weitere Highlights waren neben den delikaten Petit Fours und Häppchen in nahezu allen Showrooms: die einst legendären und neu interpretierten Rakten-BH-, bzw. Corsagenlatzkleider und –jacken aus Denim, entworfen von Jean-Paul Gaultier für Levi’s und die von „The Clone Wars“ inspirierte Herbst/Winterkollektion von Acne. Neben den gepatchworkten Plateaustiefeln aus Leder- und Fell, einem mit groben Funtionsverschlüssen und Blasebalgtaschen besetzten, trägerlosen Lederkleid war ein gewachster Trenchcoat in Altrosa, mit überdimensionalem Revers und olivfarbenem Gürtel der modische Höhepunkt der 2-tägigen Odyssee.  
Kulinarischer Glanzpunkt hingegen: das Presse-Dinner im neuen Cookies-Restaurant mit Namen CHIPPS ( das ab dem 24. April in der Jägerstraße endlich auch rosa Gebratenes vom Fleisch oder weiterhin Vegetarisches wie Käseknödel aus fluffiger Konsistenz und kräftigem Geschmack kredenzt.

Autor > Julia Christian
Erstes Bild > Acne A/W 2010

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Camper Together with Bernhard Willhelm A/W 2010

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STYLEMAG - hier berichtet die Redaktion.

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