– 11.02.2010

Titel

Für „Shut Up and Dance“ dürfen sich Tänzer des Staatsballetts Berlin mittlerweile zum dritten Mal als Tanzschreiber versuchen. Reduzierte Bühnenbilder, starkes Licht (Rosalia Amato) statt Props: die sieben Choreografen konzentrieren sich auf das Zusammenspiel von neuer Musik und Ballettsprache und bewegen sich an der Schnittstelle von Visual Arts Performance und modernem Ballett – ganz im Sinne William Forsythes.
Mit Kathlyn Popes „Space Control Area“ beginnt die Vorstellung. Zu den experimentellen Klängen zweier Pionierinnen elektronischer Musik und mit Op-Art-Kostümchen ausstaffiert, erweist sich das Stück als gelungener Einstieg, verschwindet gegen die übrigen Stücke jedoch enttäuschend im Hintergrund.

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Wie eine Marionette, zerbrechlich und zur gleichen Zeit ungeheuer stark tanzt Nanami Terai mit Krasina Palova, Martin Arroyos und Artur Lill „Among Myselves“, eine Art emotionsgeladene Beziehungsanalyse des 2009 verstorbenen Sebastian Nichita. Für das einzige Stück, das die Tonbandaufnahme durch das Konzertspiel ersetzt, schafft Solistin Zoë Cartier am Violoncello die richtige Balance zwischen Leidenschaft und Zurückhaltung, die auch die Choreografie charakterisiert. Ein vermeintlich erlösender Schrei und die Wand im spärlichen Bühnenbild symbolisieren die Unüberwindbarkeit des Ichs auf dem Weg zum Anderen – ein Thema, das offenbar alle sieben Choreografen beschäftigte.

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So auch David Simics heiter-buntes Beziehungsdrama „Feelings of X+1=3“. Die Geige vom Band (Balanescu Quartet) – gleich der starken Weiblichkeit der drei Tänzerinnen – verführt das Publikum und den Kontrabass, der sich, analog zu den beiden Tänzern, mal in einer Dissonanz, mal in Harmonie mit seinem Gegenstück befindet. Passend zu den bonbonfarbenen Korsetts findet auch der Soundtrack bei Kraftwerks „Roboter“ starke Referenzpunkte.

Das hervorragende „To Be Continued“ von Xenia Wiest, die an diesem Abend für Kathlyn Pope die Elektromusikerin Delia Derbyshire tanzt, lotet die verschiedenen Formen von Paarbeziehungen zwischen Widerwillen und Freiwilligkeit aus. Und obwohl Wiest die Musik in Teillieferungen erhielt, während sie längst mit ihren Tänzern arbeitete, ist ihre Choreografie erstaunlich kohärent.

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Zwei Liebende in völliger Harmonie zeigt Martin Buczkó auf dem Höhepunkt seines Stücks „Will“. Der Mond als Zeitmesser der Nacht, zwei Körper: Annäherung unter japanisch-orientierter Experimentalmusik, Auflösung und Trennung vor dem Klavier.

Plegge_

Nach „Sonett XVIII“ vom Stuttgarter Tim Plegge, das eher durch die spannende musikalische und textliche Gestaltung (Ein Auszug aus Steven Hall’s „Gedankenhaie“ dient als Intro auf das Klaviermusik von Philip Glass folgt) sowie die theatralische Umsetzung als durch seine tänzerische Ausarbeitung auffällt, gibt es die einzige Pause in insgesamt drei kurzweiligen Stunden. Nadja Sadakova’s 60-minütiges „Egopoint“ zu einer Produktion von Luke Slater (The 7th Plain) im Anschluss langweilt nach einem sehr starken Anfang und trotz der interessanten teilweise fordernden Musik dank ewigem Gerenne auf der Bühne und Geklettere auf einem riesigen Dreieck leider zu schnell.

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=1Yp8m-wIJvg[/youtube]

Bilder > www.staatsballett-berlin.de

Weitere Vorstellungen finden am
30.05, 7., 8. und 28.06 sowie am 8., 10. und 11.07.
auf der großen Bühne der Komischen Oper Berlin statt.

20h
Komische Oper
Behrenstraße 55-57
10117 Berlin
www.komische-oper-berlin.de
Autor > Vanessa Schneider

stylemag
STYLEMAG - hier berichtet die Redaktion.

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