– 27.04.2009

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Am Anfang war das Piktogramm. Es zierte französische Höhlen, mittelalterliche Häuserwände, die Corporate Identity von Olympiaden und ist heute aus der visuellen Alltagskultur nicht mehr wegzudenken. Heute sprechen wir natürlich von Character Design, denn die Tendenz geht dazu, die Piktogramme im wahrsten Sinne des Wortes zu animieren – ihnen Leben einzuhauchen. So manchem Gestalter hat sich sein Entwurf schon verselbständigt. Das Festival „Pictopia“ tritt noch bis zum 3. Mai 2009 im Berliner Haus der Kulturen der Welt an, die Persönlichkeiten dieser weltumspannenden Szene miteinander zu vernetzen. Wir stellen fest: Einige der Charaktere sind schon sehr lebendig.

OCTOCAT

„Octocat Adventure1“ wurde am 13. März 2008 auf Youtube gepostet. Absender war der kleine Randy Peters, 9 Jahre alt, aus Chicago. Glücklicherweise kein echtes Waisenkind, sondern ein von David O’Reilly geschaffenes Pseudonym. Der lüftete das Geheimnis, nachdem er “Octocat Adventure5”, die vorerst letzte Episode, veröffentlichte und es aufgrund der zahlreichen Fanpost und Resonanz im Internet kein Verstecken mehr gab, wie er sagt. Bis zu diesem Outing wurde Randy Peters Trauma via Internet ausgiebig, teilweise pseudo-akademisch analysiert, diskutiert und interpretiert: Von der Einsamkeit in Reinform war die Rede, ein Kindertrauma wurde diagnostiziert und das Prädikat einer zeitgenössischen Tragödie verliehen, in der Octocat stellvertretend für viele große Schicksalsträger der Geschichte, Literatur und Cineastik auftritt. Die Figur Octocat wurde hundertfach kopiert und deformiert.

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=VYFuThdOyDg[/youtube]

Wie Octocat schreiend den Hügel hinab rennt, das war das schönste was ich je gesehen habe. Ich habe geweint. (saippuakivikaupplas) Nicht nur tiefgründig, auch anbetungswürdig. (William KHHD) Randy, du hast mich inspiriert, meine Ziele höher zu setzen. Ich möchte Astronaut werden. (traumatiser) Der Zaun wird immer höher, gleich nachdem die tapfere Octocat ihn überwunden hat, eine wundervolle Erinnerung daran, dass uns die Großartigkeit unserer Taten oft erst bewusst wird, sobald wir sie vollbracht haben. (ohwowsecretcow) Dem Regisseur verhalf die Katze mit den Tentakeln zu Bekanntheit. Auf der diesjährigen Berlinale gewann O’Reilly mit „Please Say Something“ den Goldenen Bären im Kurzfilmwettbewerb.

pictoplasma.com/

Pictoplasma Ausstellung noch bis 3 Mai 2009
HAUS DER KULTUREN DER WELT
John-Foster-Dulles-Allee 10
10557 Berlin

Autor > mw

stylemag
STYLEMAG - hier berichtet die Redaktion.

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