– 20.03.2009

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„Papas Kino ist tot.“ Unter diesem Motto versammelten sich 1962 die Jungregisseure auf den Oberhausener Kurzfilmtagen. Unter ihnen Edgar Reitz, der das damals neue Konzept des Autorenfilms in der Folgezeit wesentlich geprägt hat. Seine „Heimat Trilogie“ über eine Familie aus dem Hunsrück wurde weltberühmt, prämiert und gefeiert. 1966 wurde sein erster Langspielfilm „Mahlzeiten“ – ein intensives Beziehungsdrama um Liebe, Familie und Selbstverwirklichung – bei den internationalen Filmfestspielen in Venedig als Bester Debutfilm ausgezeichnet.

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Sein zweiter Spielfilm „Cardillac“ von 1969 ist eine bizarre Geschichte über einen verrückten Goldschmied, der seinen Schmuck lieber behalten als verkaufen will und seine Käufer deshalb anschließend umbringt, um den Besitz zurück zu erlangen. Niemand ahnt etwas vom grausamen Doppelleben des ansonsten so geachteten Kunsthandwerkers. Reitz gelingt anhand der irren Figur des Cardillac und des dramaturgischen Stilmittels, seine Schauspieler während des Films über die Figuren reflektieren zu lassen, eine faszinierende Abhandlung der Probleme moderner Künstler in der Gesellschaft. Umso erfreulicher ist es deshalb, die tatsächlichen und sinnbildlichen Goldtöne in dieser Geschichte nun in leuchtender Qualität zu sehen.

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Eine Anfrage aus Italien gab 2006 für Edgar Reitz den Anstoß, seine frühen Filme zwischen 1967 bis 1978 neu herauszubringen. Aufwändige Restaurationsarbeiten, um das 40 Jahre alte Material zu retten, begleiteten die zwei folgenden Jahre. Die sechs wichtigsten Spielfilme gibt es nun in der Arthaus Edition „Edgar Reitz – Das Frühwerk“, teilweise als neu gemasterte „Director’s Cut“-Versionen. Die wichtigsten Kurz-, Dokumentar- und Experimentalfilme wurden ebenfalls digitalisiert und auf einer Bonus-DVD beigefügt.

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Die verschiedenartigen Themenkomplexe und filmischen Umsetzungstechniken in Reitz’ Frühwerk zeugen von seiner unerschrockenen Experimentierfreudigkeit und lassen dennoch stets seine ganz persönliche Sichtweise der Dinge erkennbar. So auch in dem epischen Kostümdrama „Der Schneider von Ulm“, in den Kriegsfilmen „Die Stunde Null“ und „Die Reise nach Wien“ sowie dem Abenteuerfilm „Das goldene Ding“: eine Anlehnung an die Argonautensaga – eine Zeit, als Menschen noch Kinder waren.

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„Das Großartige an der Filmkamera ist, dass sie Zeit abbilden und speichern kann. Wir Filmemacher besitzen damit ein Instrument, das uns auf magische Weise befähigt, das flüchtige Leben zu bannen.“ Edgar Reitz ist froh, seine Filme durch diesen glücklichen Zufall gerettet zu haben.

www.kinowelt.de

„Edgar Reitz – Das Frühwerk“

Arthaus Edition, 7 DVDs im Schuber, Release: 20. März 2009
www.kinowelt.de
www.arthaus.de

Autor > sb

stylemag
STYLEMAG - hier berichtet die Redaktion.

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