– 28.01.2009

start_paris_09

Wenn man die Männermode der Herbst/Winter-Kollektion 2009/10 auf ein Kleidungsstück reduzieren müsste, fiele die Wahl zwangsläufig auf Combat Boots. Von Gareth Pugh über Lanvin bis hin zu Blaak: Stiefel wohin man auch sah. Anders gesagt: Für jeden, der noch ein Paar Dr. Martens im Schrank hat, kann der nächste Winter eigentlich jetzt schon kommen. Andere Auffälligkeiten? Waren die unzähligen Varianten von (klassischen) Mantelschnitten und Hosen, die bevorzugt in 7/8-Länge auf den Laufsteg kamen oder direkt in die Stiefel gesteckt wurden. Wie gesagt, Stiefel sind…

[slideshow id=102]
Kris van Assche

Wer sich in Kris van Assche hüllt, will nächsten Winter vor allen Dingen demonstrieren, und zwar nicht nur gegen die Ungerechtigkeiten dieser Wahl, sondern auch seinen Reichtum – dass wertvolle Materialien verarbeitet worden waren, konnte hier jeder Laie sehen. Auch schien das van Asschesche Konzept klar: lang geschnittene Oberteile und die Hose in die Stiefel. Die reduzierte Farbpalette – schwarz, beige und sandigen Tönen – wirkte hier nicht klassisch, sondern entschlossen-militant.

[slideshow id=103]
Rick Owens

Die erste Men’s Wear-Kollektion des amerikanischen Designers war beeinflusst von Sänger und Performer Klaus Nomi. Hauptaugenmerk schien hier auf Jacken und Mäntel gelegt worden zu sein: Lederjacken, Mäntel, Bomberjacken, Peacoats, Trenchcoats – hier konnte man mit jeder Vorliebe fündig werden. Das heißt: Vorausgesetzt man mag Schwarz. Ein Leben nach dem Atomgau? Scheint, wenn man sich diese Fashion Show anguckt, durchaus seinen Reiz zu haben.
[slideshow id=96]
Blaak

Bei Blaak war die Farbpalette ähnlich gedeckt, trotzdem dachte man hier weniger an Katastrophen, sondern eher an (Punk-)Bands. T-Shirts, die aussahen als ob sie gerade noch auf dem Merch-Stand einer britischen NuRave-Band gelegen hätten, wurden hier mit 7/8 langen Hosen und derben Stiefeln kombiniert. Dazu gesellten sich mit Nieten beschlagene Jacken, grobgestrickte Mohairpullover und übergroße Mäntel. Außerdem konnte man hier auch Zeuge eines Minitrends werden: Ein Mantel kam mit gestrickten Ärmeln daher (siehe Raf Simons). Ein Look, der hier im Gegensatz zu der Simonschen Show durch Tragbarkeit überzeugte.

[slideshow id=98]
Attachment

Auch hier fanden sich wieder die unumgänglichen Combat Boots und die 7/8-Hosen. Hinzu kamen ein Dufflecoat (noch so ein Teil, das einige sicher schon im Schrank haben) und ein Mantel, der mit seinem orange-schwarzen Farbverlauf trotz des starken Wiedererkennungswerts nicht aufgesetzt wirkte.

[slideshow id=101]
Raf Simons

Das Thema der Kollektion „Vanity and Performance“ spiegelte sich zunächst in recht nüchternen Anzügen wider. Und während sich klassische Elemente, wie Nadelstreifen und der Farbeinsatz von Camel und Grau, auf Papier vielleicht langweilig anhören, war die Laufstegrealität weit davon entfernt. Doch wie sollte es anders sein: Ab spätestens Mitte der Show wurde klar, dass auch hier, in gewohnt belgischer Art, dekonstruktiviert worden war und so gingen unter anderem schwarzer Gehrock und knallig-türkise Neoprenärmel eine gewöhnungsbedürftige Symbiose ein.

[slideshow id=110]
Lanvin

Die alles entscheidende Frage bei Lanvin war, „how to be real and radical“. Die Radikalität manifestierte sich in den Stiefeln und den Mützen, die ein Bild von Zeitungsjungen der 1930er Jahre hervorrief. Ansonsten blieb nicht viel hängen. Ein Fakt, der keinesfalls negativ gemeint ist, denn genau die Outfits, die hier über den Laufsteg geschickt wurden, werden sich später einfach, aber alles andere als einfallslos, adaptieren lassen. Und spätestens als ein Obama-Look-Alike den Laufsteg betrat, war klar, dass bei Lanvin der Optimismus gesiegt hat.

[slideshow id=111]
Hermès

Bei Hermès mischten sich unter das klassische Dunkelgrau, immer wieder mutige Farbtupfer.  Ob es sich um ein stark kontrastierendes Oberteil in Gelb handelte, um Polka Dot-Hemden oder um eine rote Fliegerjacke – hier wurde klar, dass der Credit Crunch die Lust auf Farben nicht endgültig hatte verstummen lassen.


Dries van Noten

Auch van Noten hatte sich zum Ziel gesetzt Klassiker neu zu interpretieren. Auffällig gut geschnittene Buntfaltenhosen trafen hier auf Hemden und Mäntel mit kontrastierenden Krägen. Doch was sich wie das Outfit eines Bankers liest, versprühte auf dem Laufsteg Fliegerromantik der 1940er Jahre. Und darüber konnte auch das Model, das aussah wie Rick Astley, nicht hinwegtäuschen.

Text > Frederike Steinert
Paris Showpics > Niki Pauls

stylemag
STYLEMAG - hier berichtet die Redaktion.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>