– 13.11.2008

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Der Schweizer Erik Truffaz ist ein ewig Suchender, der sich bisher mit jedem Album neuen Herausforderungen gestellt hat. „Jazz“ wie wir ihn kennen ist dabei nur Ausgangspunkt und Grundlage. Drum’n’Bass, Poetry oder im Positiven progressiver Rock gehören zu den musikalischen Gipfeln, die er im Verbund mit hochmotivierten Seilschaften erstürmt hat. „Rendez-vous“ passt zu dieser Karriere, und ist doch noch mal ganz was anderes: Zumal die eingeschworene Band durch Abwesenheit glänzt.

„Rendez-vous“ enthält drei – auch einzeln zum Mid-Price erhältliche – Minialben, die jeweils eine musikalische Begegnung an einem anderen Punkt der Welt dokumentiert: Da wäre zunächst „Paris“, eine Duo-Aufnahme mit dem Vokalartisten Sly Johnson, bei dem sich die beiden gefühl- und fantasievoll durch ein Programm von Beatles („Come Together“) über Standards („Nature Boy“) bis zu Selbstgeschriebenem tasten. Johnson selbstsicher und nuanciert, Truffaz tastend und lauernd. CD 2 hat die größte Besetzung (Piano, Tablas, Stimme, Trompete), die stärkste musikalische Reibung und den interessantesten Ansatz – ein Treffen von US-amerikanischer Jazz-Tradition mit der „anderen“ großen Improvisationskultur des indischen Subkontinents in Benares. Leider hat sie auch die schlechteste Soundqualität. Dagegen strahlt der Klang von CD3 von sprichwörtlich digitaler Klarheit, denn Truffaz dritter Tanzpartner ist der mexikanische Elektroniker Murcof. Dessen ohne jedes Lokalkolorit auskommende Musik ist instabil, traumlogisch und in einem Zustand beständigen Zerfalls. Den Zusammenhalt schaffen dabei Truffaz’ schmiegsame Tonketten, aber bei aller Futuristik wird die Musik auf der Mittelstrecke statisch und auf tapetenhafte Weise redundant. Aber immerhin: was für Muster!

Blue Note / EMI

Text > EM

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STYLEMAG - hier berichtet die Redaktion.

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